100 Prozent – ganz toll?!

Wahlergebnisse, bei denen auf die KandidatInnen 100 Prozent der abgegebenen Stimmen (oder auch ein paar weniger) entfallen, erwecken meist Skepsis und Misstrauen. Das ist vor allem im Zusammenhang mit totalitären Regimen so, gilt aber auch andernorts. Aber wie ist es, wenn vergleichbare Ergebnisse im alltäglichen Bereich auftreten? Schaut man dann auch so genau hin oder wischt man mit dem Schwamm des Vergessens darüber?

Ein kleines Beispiel: Konfirmandenvorstellung in einer württembergischen Kleinstadt. Die jungen Leute nennen ihre Namen und ihre Hobbies. Bei den Mädchen herrscht in dieser Hinsicht eine große Vielfalt. Der Bogen reicht vom Handballspielen über das instrumentale Musizieren bis zum Ballett. Ganz anders ist das bei den Jungen. Hier dominiert die Ein(tön)igkeit. 100% Sport, wobei es sich bis auf eine oder zwei Ausnahmen um Fußball handelt. Ob es sich dabei um eine aktive oder eine passive Betätigung handelt wird nicht erkennbar. Ganz ohne Computer mache ich am Ende des Gottesdiensts eine kleine Datenanalyse und komme zu dem Schluss, dass die Angaben zu den Hobbies wohl kaum dem statistisch Erwartbaren entsprechen dürften.

Was ist hier los? Ich kenne den Kreis nicht näher. Haben wir es vielleicht mit einer ausnahmsweise sportlichen Gruppe zu tun? Bereiten sich die Jungen auf eine Zukunft als Männer vor, in der sie sich über Fußball , Frauen und Autos definieren, mit dem Fußball als Einstieg? Gibt es in der Gruppe wirklich keinen, für den eine andere Freizeitbeschäftigung als der Sport auf Platz 1 steht? Als einschlägig erfahrener Vater kann ich das nicht glauben. Hier spielen mit Sicherheit gruppendynamische Effekte oder mehr eine Rolle. Fußball ist einigermaßen unverfänglich und cool. Wenn man das als Hobby nennt, macht man sicher nichts verkehrt. Wieso sollte man sich da mit einem Hobby outen, das evtl. komische Bemerkungen, ja vielleicht sogar Spott hervorruft. Anpassung ist die Folge. Schade! Dabei sollte den Jungen doch gerade auch im Konfirmandenunterricht mitgegeben werden, dass Vielfalt gottgewollt ist – auch im Hobby. Sie dürfen ein breites Spektrum davon pflegen und es sollte selbstverständlich sein, dass sie dazu stehen.

Wir Väter und auch andere Männer in ihrer Umgebung haben die Aufgabe, sie dabei zu ermutigen und zu bestärken.

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