11 Götter sollt ihr sein – Fußball als Ersatzreligion

fansSo der Titel einer Fernsehsendung im ARD am 17.1.2016. Ich war interessiert und schaute mir diese halbstündige Sendung an. Ein junger Mann, Fan von Werder Bremen und eine 3-Generationen-Familie, Fans von Schalke, wurden ausführlich vorgestellt, interviewt und ins Stadion begleitet. ¾ der Sendezeit ging‘s darum. Dazwischen Bilder eines (katholischen) Gottesdienstes. Vergleiche des Sprechers, mehrere Statements von Pfr. Eugen Eckert, dem bekannten Kirchentags-Liederdichter (z. B. Bewahre uns Gott, …), Leiter der Band Habakuk und 50%em Stadionpfarrer in Frankfurt, dazwischen Christoph Daum als Interviewpartner.
Bundesligafußballspiele haben immer mehr Zulauf, so der Einstieg in die Sendung, durch Männer und Frauen, Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Kirche und Gottesdienst immer weniger, jüngere und Mittelalter sind dort eher Fehlanzeige. Warum?
Das Eine immer wieder spannend: Wie geht’s aus? das Andere eher: Wann ist es aus? Das Eine mit purem, auch undiszipliniertem Männergefühl (teilweise alkoholenthemmt), 90 Minuten persönliche Identifikation zwischen Fans und Spielern, mit ständigem Kommentieren und Schreien, mit Lachen, Freude und Enttäuschung. Das Andere: 60 Minuten Ruhe und Besinnung, hauptsächlich zuhören, wenig zusehen auf ständig wechselnden Szenen, singen und beten nur „formiert“, wenig emotionale Gemeinschaft, keine Möglichkeiten mit dem Sitznachbar während dem Geschehen Gottesdienst sich aus zu tauschen. Jeder ist für sich allein. Hier gemeinsame Kluft bis hin zu den Socken, Schals und Mützen und damit ein optisches Gemeinschaftsgefühl von 10-Tausenden, dort „Verkleidung“ eines Einzelnen (der Priester/Pfarrer) und damit Distanz zu den anderen. Hier die Masse mit ihren ansteckenden Emotionen, dort eher die weltweite Meta-Gemeinschaft der gleich Glaubenden und Hoffenden. Hier das Ergebnis nach 90 Minuten, die innere Anspannung lässt nach, dort das „End-Ergebnis“ verschoben in die Ewigkeit, die Spannung bleibt. Ich könnte noch mehr nennen was diese Sendung angerissen hat, das ich für dieses Segenswort zusätzlich tiefer ausgezogen habe.
Von wem kommt mir Männersegen entgegen, nicht nur mittwochs oder samstags? Von den „11 Göttern“ oder von dem einen Gott in Jesus Christus? Spürbarer, teilbarer, gemeinschaftlicher, emotionaler und spontaner im Stadion, keine Frage, wenn Segen nur etwas Menschliches von mir zu dir, eine gemeinschaftliche Zuschauer-Identifikation für 90 Minuten ist, ein Ausnahmewohlgefühl. Männerleben ist mehr, aber nicht immer ein Spiel. Es ist auch einsam, manchmal bedroht zwischen Lebens-Anpfiff und -Abpfiff, von Regeln und Fouls begleitet. Männer suchen dann und wann die Hilfe des Schiedsrichter, sind mit ihren Aufgaben nur auf sich alleine gestellt und die Gegner sind mächtig.
Geistlicher Männersegen betrifft die ganze Lebensrealität, auch weit über die 60-minütige gottesdienstliche Handlung hinaus, hinein in die Woche, so wird er zugesprochen. „Mann“ braucht ihn bevor das eigene Spiel aus ist und „Mann“ zur Besprechung in die Kabine muss. Geistlicher Männersegen ist ein bleibendes, innerlich gefühltes Begleitetsein in „guten wie in bösen Tagen“, eine innere Identifikation mit dem Einen, der mehr ist als das was sich vor Augen abspielt. Keine leichte Übung. Dazu braucht es als Gegenüber den einen Gott, den richtigen, keine 11. Dass unsere sonntägliche Gottesdienstordnung aber trotzdem eine andere werden muss wenn man zukünftig „Zuschauer“ erreichen will, steht außer Frage.

 

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