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An die Arbeit, Mann!

Den nachfolgenden Text schrieb ich bereits vor 19 Jahren – in einer Zeit der intensiven persönlichen Auseinandersetzung mit meinem MannSein. Jetzt fiel er mir erneut in die Hände. Und angesichts der Erdogans, Trumps, Putins, Johnsons (Boris) dieser Welt, angesichts der männlichen Gewalt in Nizza, Istanbul oder anderswo, lese ich ihn jetzt unter aktuellen Vorzeichen. Dabei wird mir klar: Es gibt in der Männerarbeit noch viel zu tun. An die Arbeit, Mann!

Aus allem das Letzte herausholen –
ohne Rücksicht auf Verluste.
Dann: zuschütten, vergessen, wegsehen, weghören,
die letzten Zweifel begraben. Was soll’s!

An die Arbeit, Mann:
Wende dich dem Leben zu.
Sorge dich, bewahre und beschütze:
Lass‘ dem Wachstum Raum.
Und denke an ein Übermorgen.

Stur wie ein Panzer. Nicht nach links oder rechts schauen.
So sind nun mal die Sachzwänge. Leistung heißt die Maxime.
Da musst du durch. Den Körper ignorieren.
Gefühle? Wer kann sich so ‚was leisten?

An die Arbeit, Mann:
Sieh erst den Menschen, dann die Sache.
Finde dich im Gegenüber.
Und bleib‘ offen für die leisen Töne;
die in dir – und die im Anderen.

Immer wissen, wo’s lang geht.
Alles selber machen, alles besser können.
Immer Recht haben. Hauptsache, man(n) steht gut da.
Nur nicht zweifeln, ja nicht zögern. Stärke ist gefragt.

An die Arbeit, Mann:
Lern‘ doch endlich auch zu teilen.
Teil‘ dich mit – und teil‘ nicht aus.
Lass‘ dich tragen, wenn du schwach bist.
Stärke Andere, wo du kannst.

Wirtschaftskrise? Sozialgefälle?
Mir geht’s prächtig, ich hab‘ Erfolg!
Wer was leistet, soll verdienen.
Selber Schuld, wer hängen bleibt!

An die Arbeit, Mann:
Steh‘ ein für das Ganze
und handle gerecht.
Sei dankbar im Herzen
und solidarisch im Tun.

Mord und Totschlag, Streit und Hass, Krieg und Fanatismus:
Das ganze Bomben-ABC.
Männer schlagen sich die Köpfe ein.
Vergewaltigen Frauen, verängstigen Kinder.
Und hinterlassen Söhne in Gräbern.
Wozu? Für was? Für wen?

An die Arbeit, Mann:
Halt ein, mach Frieden mit dir selbst.
Und mit deinen Brüdern.
Das Verbindende suche – nicht das Trennende.
Menschen sind’s, die dich umgeben.
An die Arbeit Mann, werde Mensch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Kommentare zu An die Arbeit, Mann!

  1. Ulrich Thierhoff 18. Juli 2016 um 0:31 #

    Wenn man auf die Putins und Erdogans starrt wie das Kaninchen auf die Schlange, dann kann man leicht den Blick auf die Realitäten verlieren

    An die Arbeit, Hans!
    Wende Dich der Vielfalt des Lebens zu
    Beschütze das Ansehen der Männer
    Schau öfter zu, wie Männer arbeiten***
    Sei dankbar, selbst ein Mann zu sein

    An die Arbeit, Hans!
    Bleib offen für die leisen Töne
    Schau auf die Fleißigen, Mutigen, Kreativen
    Fühl mit den unschuldig Verdächtigten
    Hab Acht auf die Depressiven, Verzweifelten

    An die Arbeit, Hans!
    Halt ein, mach Frieden mit Dir selbst
    und mit Deinem eigenen MannSein
    Denk an die vielen Verunsicherten
    Sie brauchen auch Deine Solidarität

    ***Beitrag von Hans Kahlau: „Zuschauen, wie Männer arbeiten: Eine Freude“

    • Hans Kahlau
      Hans Kahlau 18. Juli 2016 um 20:35 #

      Danke Ulrich, dass du dich „an die Arbeit“ gemacht hast, auf meinen Text im selben Duktus zu reagieren. Nur eines zur Erinnerung noch: Ich habe ja dazu geschrieben, dass der Text 19 Jahre alt ist. Dennoch bin ich überrascht, wie aktuell er heute doch noch ist. Trotzdem gebe ich dir recht: Wenn wir zu sehr auf die männlichen Defizite schauen, zieht das runter. Aber mir kommt es so vor, als erstehen die alten Macho-Geister an allen Ecken und Enden gerade wieder auf. Das stimmt mich sehr nachdenklich und macht mich traurig bis zornig!

  2. Sieghart Seith 19. Juli 2016 um 6:22 #

    Alles richtig. Auch der Kommentar mit dem Solidaritäts-Zuruf.
    Alles treffend kommentiert empfinde ich, wenn ich mich umsehe. Vor allem in meinem beruflichen Umfeld sind die „Panzer“ fast ausschliesslich männlich. Da gibt es wirklich was zu tun. Ganz leise und in ganz kleinen Netzwerken tut sich was. Und die Frauen um mich herum helfen mir persönlich sehr viel. Ganz genau beobachte ich auch die next generation, die endlich vermehrt in meinen direkten Arbeitsbereich einzieht. Da bin ich noch am Schauen …. Ich glaube, sie sind anders.
    Herbert Grönemeyer hat kürzlich gesagt (in 3Sat am SO morgen), dass das 21. Jahrhundert das Jh. der Mitmenschlichkeit werden könnte. (Ich erinner mich sogar, dass der Konjunktiv fehlte.) Das will ich auch hoffen!

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