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Aufstehen – gegen Kulturen des Todes

Gott hat seinen Sohn nicht geopfert. Dass Väter ihre Söhne opfern, dieses Denken – und diese Wirklichkeit – gehört in eine Kultur der Überlebenskämpfe und der damit verbundenen Kriege. Wir stecken selber noch mitten drin, in dieser Kultur des Todes und des Tötens. An vielen Orten der Erde werden Kinder für unseren Lebensstil geopfert: In Coltan-Minen, in Steinbrüchen, in Textilfabriken, als Kindersoldaten, als Insassen von Flüchtlingscamps.

Und doch wissen wir, und wir haben mit Jesus Christus und dem Osterereignis mehr als nur eine Ahnung davon bekommen, dass und wie es anders gehen könnte…

Schon die alttestamentliche Erzählung, in der Abraham als gehorsamer, gottesfürchtiger Mann sich anschickt, seinen Sohn Isaak abzuschlachten, ist mir, seit ich diese Geschichte als Kind das erste mal gehört habe, unerträglich. Dass nun Jesus von seinem göttlichen Vater, den er ganz vertraut „Abba“ nennt, geopfert worden sein sollte, um uns von unseren Sünden zu erlösen, mag mir auch heute nicht einleuchten. Klar – ich kann mir erschließen, wo diese Denkfigur herkommt. Aber taugt sie für ein erwachsenes, reflektiertes Leben von heute?

Die Erzählung vom Leben und Sterben Jesu – letzteres war in meinen Augen ein politisch motivierter Mord, bei dem die römische Besatzungsmacht und die herrschende Religion Israels gut kooperiert haben – hat eine Logik, die sich in der Geschichte immer wieder abspielt. Manchmal in der Öffentlichkeit. Viel häufiger sind es stille Helden, die ihr persönliches Leben opfern. So wie sie hat Jesus sein Leben geopfert. Für seine Vorstellung des Reiches Gottes, die er mit seinen Leuten gelebt und geteilt hat. Und die, wenn man den Berichten der Evangelien vertraut, in seiner Nähe spürbar war. Welche Erfahrungen ganz konkret der Erzählung von der Auferstehung Jesu zugrunde lagen – wer mag das von heute aus sicher zu beurteilen?
Für mich ist die Erzählung, die in den Evangelien in verschiedenen Facetten sichtbar wird, und das, was gläubige und heilige Männer und Frauen in den letzten zweitausend Jahren daraus gemacht haben, überzeugend. Nicht, dass da keine Zweifel wären. Aber der Entwurf und die immer wieder neu entwickelte Praxis einer Kultur des Lebens und der behutsamen Mitmenschlichkeit, gegen Kulturen des Konkurrenzkampfes, Kulturen des kategorischen Rechthabens, Kulturen des Imperialismus, die auch über Leichen gehen, hat mich angesteckt. Und inspiriert mich immer wieder neu!

Jeder von uns geht, und auch unsere Kirchen – zur Zeit wird das an „meiner“ katholischen Kirche beschämend und erschütternd deutlich – gehen immer wieder den Kulturen des Todes auf den Leim. Es scheint einen Mainstream dieser Kulturen der Ausbeutung, der Gewalt und des Tötens zu geben, dem wir uns immer wieder neu entziehen und entgegen stellen müssen. Im zwischenmenschlichen, nahen Bereich und global. Denn auch mein friedliches und wohlhabendes Osterfest geht leider auf Kosten von Kindern auf dieser Erde, die für meinen Wohlstand ausgebeutet – geopfert – werden. Und das ist nicht gut so.

 

 

 

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