Aus die Maus

Aus die Maus: Menschen statt Monitore

Vor wenigen Tagen musste mein Arbeitgeber (ein diakonisches Sozialunternehmen) eine Cyber-Attacke über sich ergehen lassen. Die Folge: morgens um halb zehn wurden alle Rechner heruntergefahren und blieben dann bis zum Feierabend abgeschaltet. Zunächst machte sich eine heitere „Hurra-die-Schule-brennt“-Stimmung breit. Da dachte man noch, man könne sicher bald wie gewohnt weiterarbeiten. Doch dann kam zunehmend Rat- und Tatenlosigkeit auf. Auch eine gewisse Ohnmacht stellte sich ein, weil wir alle jetzt erst merkten, wie abhängig wir eigentlich von der „Computerkiste“ sind – nahezu nichts geht mehr ohne PC! Aus die Maus!
Nach einiger Zeit jedoch konnte ich bei mir selbst und auch bei den Kollegen und Kolleginnen etwas Neues feststellen, etwas, was es so eigentlich sonst im Büroalltag schon lange nicht mehr gibt: Ausführliche Gespräche (durchaus nicht nur privat) ergaben sich. Da wir überall Glastüren haben, sah man hier und da  kleine Arbeitsgruppen entspannt zusammensitzen. Sah Menschen, die über Dinge sprachen, die man eigentlich schon lange einmal aufarbeiten oder klären wollte, für die unter dem sonst üblichen Termin- und Arbeitsdruck jedoch stets die Zeit fehlte. Spontane Gespräche von Mensch zu Mensch entstanden, statt sich mit Mails zu traktieren. Dabei suchte man nach eigenen Worten, statt von vorbereiteten Präsentationen oder ausgefeilten Dokumenten abzulesen. Und, anders als sonst, starrten nicht alle gemeinsam auf eine Bildschirm- oder Beamer-Projektionsfläche in nur diese eine Richtung. Nein, man war einander wieder aufmerksam zugewandt, sprach frei, direkt, offen und wurde darin durch nichts gestört oder gehetzt.

Geschenkte Zeit: Beziehungen statt Bildschirme! Ein wenig fühlte ich mich (als einer der „alten Hasen“ im Berufsleben) erinnert an die 1970er oder -80er-Jahre und den eher „gemütlichen“ Büroalltag der damaligen Zeit. Es wäre naiv, wollte man die Zeit dahin zurückdrehen. Auch dieser Blog-Beitrag wäre ohne Rechner gar nicht möglich. Doch ab und zu die Monitore abzuschalten und sich einfach auf die Menschen einzulassen, einander zuzuhören, in Ruhe abzuwägen, bis gute Entscheidungen reifen – dass wäre etwas, was heute  jeder Arbeitsatmosphäre gut tun würde – da bin ich mir ganz sicher.

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