Aus seinem Herzen keine Mördergrube machen

Die Formulierung „aus seinem Herzen keine Mördergrube machen“ stammt aus der Tradition der Bibelübersetzung Martin Luthers. Vor Luther gab es diese gar nicht. Sie ist eine Wortneuschöpfung in der deutschen Sprache.
Zu finden ist der Begriff in Neuen Testament. Gleich im Matthäusevangelium steht die Geschichte der Tempelreinigung (Mt. 21,12-17). Kurz erzählt: Jesus kommt zum Passafest nach Jerusalem. Dort besucht er den Tempel mit seinen riesigen Vorhöfen. Auf diesen Vorhöfen ist auch ein Markt. Dort können von den gläubigen Juden Opfertiere gekauft werden. Die Währung muss allerdings den jüdischen Reinheitsvorschriften entsprechen. Römische oder griechisches Geld ist deswegen nicht als Zahlungsmittel erlaubt. Es muss deswegen in die „Tempelwährung“ gewechselt werden. Natürlich haben die führenden Kreise am Tempel dort ihre eigenen Gebühren für diesen Geldwechsel erhoben. Religion als Geschäft. Handel statt Anbetung. Mammon anstelle Gottes.
Jesus wird über diesen Missbrauch der Funktion des Tempels wütend. Gezielt stößt er einige Tische der Geldwechsler um. Eine kleine Aktion. Doch mit hohem Symbolwert. Den drückt Jesus auch mit seinem verbalen Protest aus: „Es steht geschrieben (Jes. 56,7): „Mein Haus soll ein Bethaus heißen; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus.“
So steht es in der aktuellen Lutherübersetzung von 2017. In Luthers Übersetzung von 1545 heißt es dagegen: „Mein Haus sol ein Bethaus heissen / Ir aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.“ Die neueste Übersetzung ist sprachlich genauer. Doch Luthers ursprüngliche Übersetzung war so markant, dass daraus eine „Sprichwort“ wurde: „aus seinem Herzen keine Mördergrube machen“.

Wer aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, der ist geradlinig. Im Alten Testament gibt es dafür ein Wort: Er ist ein „isch jaschar“ – ein geradliniger Mann. Jesus war ein solcher Mann, ein sprichwörtlich gerechter und deswegen geradliniger Mann. Er hat aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und gesagt, was Sache ist. Diese couragierte Eigenschaft zeichnet sowohl geradlinige als auch einfühlsame Männer aus: Wenn man jemanden auffordern will, nun doch endlich zu sagen, was ihn bedrückt oder was er wirklich meint, dann sagt man manchmal: „Mach doch aus deinem Herzen keine Mördergrube.“ Also liebe Männer, seid mutig und tut es!

Armin Leibold, Bezirksmännerpfarrer im Dekanat Heidenheim, Pfarrer in Schnaitheim

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