Auszeit – Momente

Jetzt, im Sommer, wenn an manchen Orten und Arbeitsplätzen das Leben etwas ruhiger verläuft, ist eine gute Zeit, es zu üben: Kleine Momente des Innehaltens, der Achtsamkeit, des stillen Gebets mitten im Getriebe des Alltags oder an dessen Rändern. Wie meine ich das?
Auf dem Weg zum Büro steige ich dann gerne mal eine Haltestelle früher aus. Ich geh gemächlich zu Fuß, nehm‘ das Wetter wahr und die morgendliche Stimmung. Manchmal bin ich noch ein bisschen müde… Fußgänger und Radler sind um mich herum zügig unterwegs. Da und dort sitzen Männer, die die Nacht vermutlich draußen verbracht haben. Wie anders diese Welt wohl aus deren Perspektive ausschaut? Schülerinnen und Schüler stehen quasselnd am Eck, manche haben nebenher ihre Smartphones im Blick. Lieferanten entladen ihre Laster in die Hintereingänge von Geschäften und Wirtshäusern. Für sie hat der Tag längst begonnen, während ich noch Anlauf nehme…
Gott, das ist Deine Welt. Die Welt, die uns als Geschenk und Aufgabe zur Verfügung steht. Ich spüre Dankbarkeit für mein Dasein und all die Lebensräume zu denen ich Zugang habe. Und ich spüre Herausforderung: diese Welt ist nicht heil. Viele leiden. Auch die Natur, unsere Lebensgrundlage leidet…
Leise regt sich Tatendrang in mir. Lust, diese Welt an einer Stelle mit zu gestalten. Sie vielleicht auch ein bisschen besser zu machen. Wenigstens hier, und jetzt, und heute. Mit denen, mit denen ich zusammen treffe.
Bei einem großen Baum bleibe ich stehen, schließe kurz mal meine Augen und spüre mein Atmen, meinen Herzschlag. Ich hole ein paar Mal tief Luft, lockere meinen Rücken, schau mich um und mit einem “Ja“ im Herzen, geh ich an meine Arbeit.

Tilman Kugler, Katholische Männerarbeit der Diözese R-S

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