Foto_baertige_Zeiten

Bärtige Zeiten

Wieder liegt ein weißes Blatt vor mir. Habe zugesagt einen Text  zu schreiben. Manchmal kommt mir das Schreiben wie eine endlose Wiederholung vor. Es ist doch schon so viel auf´s Papier gebracht worden. Im Herbst beginnen die Blätter zu fallen und bis es neue gibt dauert es eben. Vielleicht müssen bei mir auch erst neue Gedanken wachsen…

Doch immer wieder gibt es neue Erlebnisse und Geschichten. Bei uns sind in den letzten Monaten drei Enkelinder gesund zur Welt gekommen. Inzwischen sind sie zwischen schon 7 bis 10  Monaten alt. Sie brabbeln, krabbeln, lachen, weinen, und erkunden zum Teil schon wackelig stehend, ihre Welt. Ein weiteres Enkelkind ist in die Schule gekommen und eröffnet sich durch schreiben, lesen und rechnen wieder eine neue Welt. Da schaue ich oft staunend und dankbar zu. So bin ich nunmehr im zehnten Jahr meines neuen Lebens mit insgesamt acht Enkelkindern gesegnet worden!

Dieses Groß-Vater-Sein geht mir aber nicht so locker runter. Um etwas besser in diese Rolle zu wachsen, habe ich mir einen Bart wachsen lassen. Er ist altersgemäß natur-weiß geworden. Immer wieder habe ich dann erlebt, wie mir in der Straßenbahn von Jüngeren ein Platz angeboten wurde. Das war erstmal sehr befremdlich für mich. Inzwischen kann ich darüber schmunzeln. Ganz offensichtlich sehe ich wie ein Opa aus. Doch wer wie Opa aussieht muss sich ja nicht unbedingt wie Opa fühlen, oder? Die „Blätter“ meiner Nicht-Opa-Zeit sind deutlich gefallen. Die Zeit ist unwiderruflich weiter gegangen! Neue Blätter wollen wachsen – bei mir ist die Veränderung am Kinn sichtbar geworden. Wenn ich die Kleinen auf dem Arm habe, dann sind Brille und Bart immer wieder interessant. Manche greifen schnell zu, andere sind ganz vorsichtig. Mein Wiedererkennungswert steigt enorm und wenn der Bart beim Grimassen machen wackelt, dann hat das was. So taste ich mich, ähnlich wie die kleinen Kinder in ein neues Leben hinein und merke, dass mir der Bart dabei hilft. Und wenn dann die eigene Tochter, Mutter zweier Kinder, fragt, ob sie auch mal anfassen darf, dann ist vielleicht die Verbindung zwischen Vater und Groß-Vater geschafft – oder auf einem guten Weg.

Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?

  • Sehr gut (4)
  • Gut (7)
  • Geht so (2)
  • Gar nicht (0)

, , ,

Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar