Nütze den Tag

Berechne nicht die Zukunft, sondern nütze den Tag!

Hätten Sie gedacht, dass dies eine Anweisung aus der Bibel ist? Wir sind doch gewohnt, moralische Anweisungen zu erwarten, am besten noch darauf hingewiesen zu werden, dass Gott einen Plan für uns hat, und dann das! Tatsächlich springen wir stark auf den moralischen Inhalt der Bibel an, weil wir uns wünschen, für alles eine direkte Anweisung zu bekommen, aber Gottes Wort ist tatsächlich viel pragmatischer und realistischer, als wir uns das oft vorstellen. In einem der Gottesdienste, in denen ich zu Besuch sein konnte, wurde mir das ganz besonders deutlich, weil der Gemeindeleiter die Bibel genau dazu nutzte, eine klare Richtschnur für sein Leben zu finden. Bis hinein in alltägliche Details wollte er eine Bestätigung von Gott haben. Und tatsächlich sprechen die Psalmen davon, dass ein junger Mensch seinen Weg unsträflich geht, „wenn er sich hält an Gottes Wort“. (Ps. 119) Doch das heißt nicht, dass unser Menschenverstand und unser Willen aufgehoben wären. Schon der Prediger des Alten Testaments wusste, dass Entscheidungen, die spontan getroffen werden oft die besten Entscheidungen sind:

  • „Wenn die Wolken voll sind, so geben sie Regen auf die Erde, und wenn der Baum fällt – er falle nach Süden oder Norden zu -, wohin er fällt, da bleibt er liegen.
  • Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.
  • Gleichwie du nicht weißt, welchen Weg der Wind nimmt und wie die Gebeine im Mutterleibe bereitet werden, so kannst du auch Gottes Tun nicht wissen, der alles wirkt.
  • Am Morgen säe deinen Samen, und lass deine Hand bis zum Abend nicht ruhen; denn du weißt nicht, was geraten wird, ob dies oder das oder ob beides miteinander gut gerät.“ (Pred 11, 3-6)

Gottes Wort gibt einen weiten Rahmen vor, in dem wir uns bewegen dürfen und wir sind geschaffen als Gottes Ebenbild. In der Verantwortung vor Gott dürfen wir uns frei bewegen, denn es ist uns gesagt ist was gut ist. Darum heißt unsere Aufgabe: Nütze den Tag!

Autor: Pfr. Armin Speck, Kupferzell-Eschental, Bezirksmännerpfarrer Öhringen

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Ein Kommentar zu Berechne nicht die Zukunft, sondern nütze den Tag!

  1. Kahlau, Hans
    Kahlau, Hans 11. Mai 2015 um 12:34 #

    Gerade lese ich von Richard Rohr „Reifes Leben – eine spirituelle Reise“. Auch Rohr bestätigt, dass vor allem der junge Mensch Gebote und Gesetze als Richtschnur braucht. In der zweiten Lebenshälfte gehe es aber darum, den „loyalen Soldaten“ zu entlassen. Also die Seite in uns, die immer dies brav tut was Autoritäten jeder Art (auch kirchliche) sagen, los zu lassen. Zunächst erhält dieser „loyale Soldat“ zwar ganz viel Sicherheit und Bestätigung. Aber wir können dabei, so Rohr, Gefahr laufen, mit der Zeit die Stimme von Autoritäten mit der Stimme Gottes zu verwechseln, so dass wir am Ende nicht mehr in der Lage sind, „die wahre Stimme Gottes zu hören“. Eine Stimme, die eher das „sanfte Säuseln“ (1. Könige 19,12) ist. Eine Stimme, die uns Kraft gibt, anstatt sie uns ständig zu nehmen, wie es oft geschieht, wenn wir bemüht sind, nur ja alle Gesetze und Gebote einzuhalten. Diese Gedanken Richard Rohrs passen – glaube ich – ganz gut zu Armin Specks Ansatz. Noch ein letztes Zitat aus dem Buch: „Glaube bedeutet einfach, der Wirklichkeit zu vertrauen und darauf, dass Gott in ihr ist – schon bevor wir sie verändern“.

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