Bin ich ein altmodisches Landei ?

Ich bin nicht oft längere Strecken mit dem Rad unterwegs. Heute, meine Frau ist auf dem Betriebsausflug, ergab sich die Gelegenheit und ich radelte den ganzen Nachmittag durch Felder und Wälder. Natürlich begegnet man an einem solch sonnigen Spätsommertag immer wieder Spaziergängern und anderen Radfahrern.
Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wo man sich bei Begegnungen grüßt. Auch, und vor allem in weiter Flur. Aber heute? Oft Fehlanzeige. Die Radler starren geradeaus, verbissen sportlich oder frustriert (Ehepaar).  Spaziergänger drehen sich genau in dem Moment weg, wenn man Blickkontakt zum Gruß aufnehmen will oder blicken  einen erstaunt und wortlos an.  Und es sind nicht nur junge Leute, auch solche in meiner Generation 60+!
Natürlich gibt es auch Menschen, die zurück grüßen oder zuerst grüßen. Ganz normale Mitmenschen, die man auch als Kollegen und Nachbarn hat. Aber auch zum Beispiel die junge Frau mit Ihrer Mutter, der Vater mit seinem Sohn und eine junge Joggerin. Bemerkenswert an diesen Dreien: Es waren eine Japanerin mit ihrer Mutter und es waren Deutsche, offenbar mit ausländischen Wurzeln.
Das mag Zufall sein, trotzdem frage ich mich, ob und was sich bei uns in der Gesellschaft geändert hat. Bin ich einfach aus der Zeit gefallen und altmodisch? Oder gar „ehrenkäsig“ .Oder ist es ein Phänomen hier im Speckgürtel Stuttgart? An der Alb nämlich, wo ich arbeite, grüßen die meisten Kinder und Jugendlichen ganz selbstverständlich, im Dorf, auf den Feldwegen. Ich grüße natürlich zurück und finde es normal. Ich weiß nicht, ob ich das Thema überbewerte, aber ich finde es ist auch ein Symptom für das Miteinander in unserer Zeit, oder besser das Nebeneinander.

Mich würde interessieren, was Sie davon halten, vor allem Sie als Mann. Uns wird ja (fälschlicherweise) nachgesagt, dass das Emotionale und die herzliche Begegnung nicht so unsere Sache wäre. Sind vor allem Männer „Begrüßungsmuffel“ und wenn ja, warum eigentlich?
Ich würde mich VOR ALLEM über Kommentare freuen oder auch nur über einen Klick auf „Gefällt mir“ wenn Sie meiner Meinung sind, oder auch ein „gar nicht“ als  Indiz, dass ich das Ganze etwas lockerer sehen sollte. Also nur zu …

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine sonnige Woche mit freundlichen Begegnungen.

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5 Kommentare zu Bin ich ein altmodisches Landei ?

  1. Thomas Gubser 17. September 2018 um 9:34 #

    Herr Gollasch, genau diese Frage stelle ich mir auch immer wieder. Ich bin öfters joggend unterwegs und stelle fest, dass sich auch Jogger nicht mehr so selbstverständlich grüssen wie früher.
    Wenn ich Paaren begegne, dann grüsst in der Regel die Frau freundlich zurück, während der Mann mürrisch dreinblickt und nichts sagt.
    Wurde er zum Spaziergang gezwungen? Sieht er in mir einen Rivalen, der ihm grad sofort die Frau „ausspannen“ möchte? Ist er mit seinen Gedanken immer noch im Geschäft und merkt gar nicht, was um ihn herum so abgeht?
    Ich weiss es nicht.
    Was ich mir aber nicht nehmen lasse, ist, immer freundlich zu grüssen. Weil die Personen, die zurück grüssen, scheinen das zu mögen 🙂
    Und ich auch 🙂
    Lassen Sie es sich nicht nehmen, zu grüssen. Es ist nicht altmodisch.
    Herzliche Grüsse
    Thomas Gubser

  2. Tilman 17. September 2018 um 10:14 #

    Lieber Peter,
    ich kenn das auch – und find das Grüßen, wenn mir nicht gerade Menschenmassen entgegen kommen, wie auf manchen „Premium-Wanderwegen“, einfach zwischenmenschlich selbstverständlich. Die Frage „Landei“ oder „altmodisch“ stell ich mir gar nicht.

    Und freundliche Echos sind gar nicht so selten …

    Tilman

  3. Sieghart Seith 18. September 2018 um 6:27 #

    Spannend ist es, wenn man über Jahre hinweg denselben (oder einen ähnlichen) Weg fährt und v.a. morgens Begegnungen hat. Ich kann in der langen Zeitstrecke keine grossen Veränderungen feststellen. Meine Erfahrung ist, dass vieles von der „Tagesform“ abhängt, auch vom Wetter. Manchmal grüssen fast alle, wenn der Morgen „einfach danach ist“. Es gibt auch Leute, die immer grüssen.
    Noch spannender ist es, zu überlegen, dass ich mal vom Rad absteige und ein Gespräch beginne. Wer weiss, wass dann entsteht …
    Liebe Grüsse
    von Sieghart Seith

  4. Ralph 18. September 2018 um 18:04 #

    Der eine grüßt, der andere nicht – warum auch immer. Es wird Gründe geben: Unsicherheit, Gedankenverlorenheit, Sympathie, Revolte.
    Warum sich die Laune von anderen bestimmen lassen?

  5. ulrich thierhoff 20. September 2018 um 0:50 #

    Lieber Peter,
    ich meine, dass im Umgang der Menschen miteinander Herzlichkeit und Emotiionalität ihren Platz haben sollten. Aber Respekt vor der Andersartigkeit (und den anderen Lebensumständen) des Gegenübers ist auch erforderlich.

    Schön, wenn ich freundlich begrüßt werde. Schön auch, wenn man sich erkundigt, wie es mir geht. Aber da kann man auch des Guten zu viel tun. Wenn ich nur kurz mit „gut“ geantwortet habe, ist das Thema Befinden abgeschlossen und das sollte mein Gesprächspartner auch respektieren. Ich halte auch nichts davon, von jedem bei der Begrùßung umarmt zu werden.

    Und ob man jeden grüßen sollte, auch wenn man ihn nicht kennt, muss man wohl verschieden beanworten: Was auf einer Wanderung auf dem Land gut und richtig ist, wäre auf der Stuttgarter Königstraße wohl höchst unpassend!

    Es ist kein Fehler (und auch nicht altmodisch), ein „Land-Ei“ zu sein, aber die Großstadtmenschen; die nicht zu nah aufeinander hocken mòchten, sind auch wertvoll!

    Herzliche Grùße Ulrich

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