Bin ich schön?

Bin ich schönVon einem „echten Mann“ wird nicht unbedingt erwartet, dass er sich zweifelnd vor dem Spiegel diese Frage stellt. Fakt ist aber, dass die Körperpflege für den Mann eine immer größere Rolle spielt. Die Konsumausgaben für Körperpflege sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Und großen Anteil daran hat der immer größere Markt für Männerpflegeartikel.
Kaum ein Mann kann es sich leisten, ungepflegt im Beruf zu erscheinen. Auch wer nicht gerade mit Anzug und Krawatte ins Büro muss, achtet doch immerhin auf gepflegte Hände, Haare und Hosenlänge. Nicht zu vergessen die Hipster, die sehr viel Zeit in die richtige Bartpflege investieren. Bin ich schön? – diese Frage ist endgültig auch eine Männerfrage geworden.
Mit dieser Frage geht allerdings ein unbarmherziger Blick des Mannes auf sich selbst einher: Da ist ein Kilo zu viel und dort wuchern die Haare. Da sind die Muskeln zu schlaff – und was machen diese üblen Ringe eigentlich unter meinen Augen? Als Konsequenz wird gepflegt und gesalbt, wird trainiert und gelaufen. Der Körper wird optimiert, damit er den Anforderungen der Zeit gerecht wird. Ein, nach dem Meinungsbild der Mehrheit, schöner Körper ist das Zeichen für einen erfolgreichen Mann. Wer sich gehen lässt, ist abgehängt. Aber so oder so – welcher Mann sagt schon über sich: Ich bin schön. So, wie ich bin.
Der Monatsspruch im Monat Mai ruft uns in Erinnerung, wie Gott uns sieht: Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel ist, den ihr von Gott habt? (1. Korinther 6,19). Ein Tempel, das war ja nicht irgendein Gebäude, sondern das Gebäude schlechthin: prachtvoll, großartig, erhaben. So schön sind wir bei Gott. Und auf diese Weise kann sich unser unbarmherziger Blick auf unseren Körper wandeln: Wir müssen ihn nicht zu etwas Besonderem machen, indem wir pflegen, trainieren, stylen – sondern weil er besonders ist, behandeln wir ihn gut, achten auf ihn und nehmen ihn an, wie er ist. Denn Gott selbst wohnt darin – wie schön!

Philipp Essich, Pfarrer in Winnenden und Bezirksmännerpfarrer im Dekanat Waiblingen

(Bild: „Designed by Pressfoto – Freepik.com“)

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Ein Kommentar zu Bin ich schön?

  1. Charly 13. Mai 2016 um 16:44 #

    Hi,
    eine Frage: Fällt ihnen auf, dass sie selbst diesem Trend sprachlich bereits entsprechen?
    Sie reden von „gepflegt“ wenn sie von diesem übertriebenen Körperkult sprechen. Doch gepflegt ist auch Jemand, der saubere Hände und nicht zu lange Fingernägel hat, wer sich gewaschen und gekämmt hat und nicht nach Schweiß von Vorgestern riecht.
    Dieser Körperkult mit seinen Moden, Cremchen, Körperhaarphobie und Zwangsvorgaben, hat mit einem gepflegten Auftreten nichts gemein.
    Ungesunde Körperkulte bekommen eben auch leichten Zugang in unsere Gesellschaft, wenn wir ihnen erlauben unsere Sprache zu bestimmen.

    Ihrem Resümee stimme ich ausdrücklich zu. Danke dafür.

    Gruß, Charly

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