Das 3:16-Projekt

Arnim SpeckDann sprach der Herr zu Mose in der Wüste Sinai: „Zähle alle männlichen Leviten, die älter als einen Monat sind, und schreibe sie nach Sippen und Familien geordnet auf!“ Mose tat, was der Herr ihm befohlen hatte. (4.Mose 3, 14-16)

Eine interessante Methode, wie man die Texte der Bibel im Überblick verstehen kann, die Donald E. Knuth, ein Computerspezialist benutzt hat, ist von den Naturwissenschaften geleitet. Er arbeitet mit ‚Stratified samples‘ – Stichproben. Donald Knuth hat sich als Auswahlkriterium die Nr. 3,16 ausgewählt. Ausgehend von dem Vers in Johannes 3,16: „Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben,“ machte sich Knuth auf, dem großen Buch seine Geheimnisse zu entlocken. Wir wollen uns ihm anschließen.
Im „Buch der Zählungen“ – so der Name im Hebräischen für Numeri bzw. 4. Mose – wird berichtet, wie Gott das harte Leben in der Wüste nutzt um sein Volk auf das Leben im gelobten Land vorzubereiten. Gott möchte, dass das Leben geprägt ist von seinen Geboten. Er bestraft wiederholt das Volk, weil es seinen eigenen Willen durchsetzt. Doch die Geschichte zeigt auch, dass Belohnung und Bestrafung nicht so eindeutig mit der Einhaltung der Gebote verbunden sind, wie gerne behauptet wird.
Am Beginn des 4. Buches Mose erhält Mose die Anweisung das Volk zum Sinai zu führen. Die Zählung der Leviten gehört zu der Reihe von statistischen Texten, die neun von 36 Kapiteln des Buches ausmachen. Im ersten Kapitel werden schon die wehrfähigen Männer über 20 Jahren aufgelistet. Ausgenommen vom Wehrdienst war ausschließlich der Stamm der Leviten. Die Männer waren auserwählt für den Gottesdienst und übernahmen in der theokratischen Gesellschaft verschiedenste Funktionen.
Wenn wir besser verstehen wollen, was diese Aufzählung zu bedeuten hat, müssen wir uns die Zahlen genauer ansehen: Die 12 Stämme Israel zählen im ersten Kapitel über 600.000 Mann wehrfähige Männer. Eine Zahl, die wahnsinnig hoch erscheint. Das Volk Israel hätte demnach auf seinem Wüstenzug über 2 Millionen Menschen umfasst. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass die Zählungen bemerkenswerte Eigenschaften haben: Die „Hundertschaften“ umfassen immer Zahlen zwischen 2 und 7, niemals 0, 1, 8 oder 9. In einer streng mathematischen Zählung dieser Größe wäre die Wahrscheinlichkeit dafür, dass so etwas vorkommt 1:200.000. Daher können wir annehmen, dass es sich eher um „Einheiten“, als um genaue Zahlen handelt. Und tatsächlich werden die hebräischen Worte für „Tausend“, „Hundert“, „Fünfzig“ und „Zehn“ für Organisationseinheiten benutzt.
Es wird daher kaum möglich sein, anhand dieser „Zählungen“ die exakte Zahl der Israeliten zu ermitteln. Schätzungen gehen davon aus, dass in Wirklichkeit nur ca. 6000 wehrfähige Männer unterwegs waren. Doch die akribische Vorgehensweise der Verfasser und der Überlieferer dieser Zahlen macht vor allem eines deutlich: Obwohl in der geschriebenen Geschichte viele Menschen nicht namentlich genannt werden, sie sind gezählt. Gott vergisst keinen von Ihnen. Jeder einzelne gehört zum Volk Gottes. Und für mich wird deutlich: Auch wenn ich heute nur als einer unter vielen gezählt werde, es kommt nicht auf eine Herausragende Position an, als Christ gehöre ich trotzdem zum Volk Gottes. Gott zählt auf mich.

Arnim Speck, Bezirksmännerpfarrer im Dekanat Öhringen

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