Das Schweigen der Männer

Urach im Frühjahr. Ein Dutzend Männer ist im Stift Urach zusammengekommen, um gemeinsam zu schweigen. Es ist eine bunt gemischte Gruppe. Manche kommen schon seit Jahren, ja sogar Jahrzehnten hierher. Erinnerungen werden ausgetauscht, manch alte Bekannte werden vermisst. Einige Männer sind zum ersten Mal dabei, neugierig auf das, was kommen wird. Gemeinsam ist allen der Wunsch, in der klosterähnlichen Anlage Abstand von Alltag zu gewinnen, die Suche nach der inneren Ruhe, begleitet von Impulsen des Landesmännerpfarrers.
In der Vorstellungsrunde werden noch andere, verschiedenste Gründen angesprochen: Einer witzelt von der willkommenen Gelegenheit dem heimischen Haushalt mit einer weiblichen „Übermacht“ für einige Zeit den Rücken zu kehren. Ein anderer meint, dass er „im Gschäft gnuag schwätza muß“, da tue eine Zeit der Stille gut. Ein dritter möchte sich intensiver mit „dem Gerede in meinem Kopf“ beschäftigen, das ihm manche schlaflose Stunde bereitet.
Dann läutet ein Gong mit einer Klangschale im Meditationsraum die die erste lange Phase des Schweigens ein. Eine Bewegungsübung hilft beim Ankommen und „Runterkommen“, dann macht es sich jeder auf seine Weise auf einem Hocker oder einem Teppich bequem.
Es ist ein ungewöhnlich sonniger und warmer Frühlingstag, und so zieht es bald die meisten hinaus, zu einem langen Spaziergang durch die noch lichten Wälder mit verschiedensten Zielen. Der Autor selbst rastet lange an einem Brunnen mitten im Wald und genießt lange die wärmende Nachmittagssonne auf einem Hochsitz. Kein Wanderer weit und breit den ganzen Nachmittag, nur einmal ein stille Begegnung mit einem anderen Teilnehmer.
Auch zum Abendessen, das in einem separaten Raum eingenommen wird, herrscht natürlich Schweigen. Gregorianische Gesänge von einer CD erzeugen bei manchem ein Gefühl einer verschworenen Gemeinschaft auf Zeit. Für andere ist es nur ein Mittel, von den Geräuschen aus dem benachbarten Restaurant abzulenken.
Am nächsten Morgen regt ein weiterer Impuls zu einem Bibeltext über die Begegnung Bartimäus‘ mit Jesus zum Nachdenken an. Und zur Interpretation, was diese Begegnung für das eigene Männerleben bedeuten könnte. Dann zieht sich jeder wieder auf seine eigene Weise zurück …

Lieber Leser,
an dieser Stelle möchte ich den Blog unterbrechen und Sie einladen, einen Kommentar zu schreiben.
Interessiert es Sie, wie es weiter geht? Haben Sie unter der Überschrift ein völlig anderes Thema erwartet? Würde es auch Sie reizen, einmal ein Wochenende zu schweigen (nächste Gelegenheit wäre das Wochenende vom 20.-22. Oktober 2017), dann im schön gelegenen Kloster Kirchberg bei Sulz, zwischen Alb und Schwarzwald. Ich bin neugierig auf Ihre Zuschrift, am Besten in Form eines Kommentars hier gleich anschließend.

Peter Gollasch, Autor im Blogteam

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