Das war’s – Anblick und Ausblick

Seit einigen Tagen bin ich nun in Altersteilzeit. Das war’s – beruflich, nach über 40 Jahren. Verdient? Ist so eine Frage. Was hat man wirklich verdient im Leben. Habe ich dies „verdient“ – Altersteilzeitmodell, Sozialstaat, gesicherte Netze nach allen Seiten. Viele Männer in anderen Ländern und anderen politischen Systemen haben das am Ende ihres beruflichen Lebens nicht.

Jetzt ist es auf jeden Fall für mich so weit. Das Rad ist bestückt mit allem was man so braucht. Es geht, zwei Tage nach meinem Abschied, ab Lindau nach Sizilien. Bella Italia. Nicht nur heim und erst mal ausruhen, den Keller aufräumen, das Haus streichen… Nein. Erst einmal Abstand gewinnen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die berufliche Zeit überdenken, in das neue Sein der Terminlosen und Zeitreichen hineinfinden. Gott dankbar sein für das was war und ist. Keine Verplichtungen. Ich muss ab sofort nichts mehr. Außer: essen, trinken, schlafen. Was für eine Freiheit. Was für eine Chance. Der Anblick meines Rades bewirkt in mir Freude und Erwartung.

Die künstlerische, überdimensionale „Brille“ auf der Alb bei Hülben, vor der mein Rad nach einer Probefahrt steht, ist für mich ein Symbol für Ausblick. Ausblick auf: Abenteuer, Selbsterfahrung, und Genuss.  Aber auch: körperliche und psychische Herausforderung. Auf neues Entdecken, Eintauchen in ein anderes Leben, Einlassen auf eine andere Kultur und Sprache. Um in den nächsten Monaten einen ganz neuen Ausblick zu gewinnen. Ausblick auf meine neue, mir noch unbekannte Zukunft. Dazu steht diese Riesenbrille natürlich auch für viele reale Ausblicke auf Städte, Berge und das Meer.

Das zweite „Glas“ dieser Brille zeigt in den Himmel. Auf dem Sockel der Brille steht ein Schild des Künstlers Karl Schwarz mit folgendem Text: „Du siehst die Erde, die Sterne, die Pflanzen, die Tiere. Siehst du den Menschen? Ahnst du den Schöpfer? Erkenne Gott in Christus.“ Diese Worte regen mich an. Berühren mich und sollen mir ein guter Leitsatz sein für diese Reise und in meine neue Zeit.

Stephan Burghardt
ehm. Referent für die Männerarbeit der Evang. Landeskirche, aber weiterhin Autor im Männerblog maennersegen.de

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