Das Wunder von Bern – oder das Schicksal von Kasan?

Als ich mich gestern gegen 17 Uhr aus dem Büro mit dem Rad von Stuttgart aus nach Hause aufmachte, waren die Straßen „leer“. Klar, an jeder bewirteten Ecke saßen Menschen und schaut das Spiel Deutschland – Südkorea, das Schicksalsspiel 2018. Als ich später auf den Fildern durch die verschiedenen Ortschaften radelte, war es verdächtig ruhig. Kein Siegesschrei und kein Korso. Zu Hause dann das niederschmetternde Ergebnis: 0:2 und damit raus. Die Epoche des Wunders von Bern ist damit vorbei, die lange Epoche des Schicksals von Kasan ist damit in der Berichterstattung angebrochen.
Zu früh und zu hoch gejubelt und gepokert zu Beginn der WM auf allen Kanälen, in eigenen Interviews oder beurteilt durch die Sportjounalisten. Der, der sich kritisch äußerte in der Mannschaft, wurde schnell kalt gestellt. Da war doch was! Männerdasein in eigener und fremnder Selbstüberschätzung, weit weg von der Wahrheit. Das Schicksal von Kasan hat diese an den Tag gebracht. Haben sie sich getäuscht, oder wurden sie getäuscht?
Solche Männer (und Frauen) gibt es nicht nur im Sport, nein, in der Wirtschaft und der Politik auch. Macht und Ruhm vernebeln die Selbstwahrnehmung gerade dann, wenn einem viele andere öffentlich „huldigen“. Übertriebener Dank und falsche Lob machen aus Menschen Halbgötter – bis sie fallen, und dies waren in den letzten Jahren etliche, die unter die eigenen Räder gekommen sind. Manche halten sich noch – mal sehen wie lange.
„Ich aber muss abnehmen, er (Christus) aber muss (in mir innerlich) zunehmen“ ist ein Schutzwall dagegen und eine real erfahrbare Lebenshilfe. Mal sehen, ob der nächste Bundestrainer diese Haltung mit- und aufbringt, wenn es in noch größere Höhen der Anerkennung geht? Herr Özil hat jetzt wenigstens genügend Zeit, Fotoshootings mit Herrn Erdogan zu machen. Vermutlich aber zeigt dieser sich nicht gerne mit einem „Looser“ auf dem gleichen Bild.

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Ein Kommentar zu Das Wunder von Bern – oder das Schicksal von Kasan?

  1. Sieghart Seith 30. Juni 2018 um 7:48 #

    Lieber Stephan. Ab morgen reden wir darüber …
    Ich sehe hier eher Gruppendynamiken bei den Spielern am Werk. Beim Trainer sehe ich noch am wenigsten etwas von Verneblung und Überheblichkeit. Aber ich kann mich täuschen.
    Lg von
    Sieghart

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