Maennersegen - Der kleine Forscher

Der kleine Forscher – und die Entdeckungen eines Großvaters

Samstag Mittag gegen 2 Uhr. Unsere Tochter ist mit ihrem 7 Monate alten Kind, einem Bub, zu Besuch. Meine Frau nimmt heute an einem Kurs teil. Die Tochter hat sich hinge-legt, sie hat in der Nacht wenig Schlaf bekommen. So habe ich, der Opa, die Aufgabe, auf den Kleinen aufzupassen. Ich sitze also auf einem Kissen am Boden. Neben mir die Decke mit den ersten Spielzeugen des Knaben. Der grabscht nach seinem Bilderbuch. Die Bilder interessieren ihn noch kaum. Wichtiger ist wohl, zu erkunden, wie die Pappe der dicken Seiten schmeckt. Damit das Buch heil bleibt, lenke ich ihn ab mit „Türmchenbauen“ aus bunten, sich verjüngenden Kunststoffförmchen. Ich baue – und das Büble bringt den Turm, kaum steht er, zum Einsturz. Das macht viel Spaß.

Aber bald schon lockt ihn Anderes. Vor wenigen Tagen hat er das Krabbeln gelernt, und begriffen, dass die Welt außerhalb der Spielecke noch viel mehr zu bieten hat. So macht er sich nun – noch unbeholfen, aber um so zielstrebiger – daran, unsere Wohnung zu er-forschen. Omas Korb mit den Einkaufsbeuteln aus Baumwolle ist mindesten genauso spannend, wie die gekauften Spielsachen. Und wie toll die Kunststofftasche knistert und raschelt, wenn man sie betastet oder ins Material kneift! Lange und konzentriert ist er da-mit beschäftigt. Ich lasse ihn schaffen und bin mehr und mehr fasziniert von diesem ernst-haften Forscherdrang. Das sieht nicht aus, wie ein Spiel, das ist die Wichtigste Sache der Welt. Zumindest im Augenblick.

Dann erinnert er sich wieder an mich, robbt auf mich zu und klettert mir auf den Schoss. Seine Aufmerksamkeit gilt dem Zipp meines Strickjacken-Reissverschlusses. Besonders hat es ihm wohl der kleine lederne Griff angetan, der daran hängt und bei jeder meiner Bewegungen zappelt.

So betrachte ich nun ganz nahe vor mir die kleinen Fingerchen, die unablässig tätig sind.
Ich habe den angenehmen Babyduft in der Nase und denke darüber nach, ob ich bei meinen eigenen Kindern, als sie so klein waren, wohl je die Zeit und Muße gefunden habe, ihnen so seelenruhig und gebannt zugleich beim Erforschen der Welt zuzuschauen? Ich kann mich daran nicht erinnern.

Damals hatte ich weder die Zeit, noch die Muße für solche Dinge. Vielleicht auch noch nicht das Bewusstsein für die Kostbarkeit, dieser Augenblicke.

Als junge Väter sind wir meist so „aufs Rad gespannt“, dass unsere Kinder wohl nicht viel von uns haben – und wir auch nicht von ihnen. Die Verantwortung des jungen Mannes, der mit seinem Job eine Familie zu ernähren hat, verstellt uns offensichtlich oft den Blick fürs Wesentliche. Erst als Großvater bekommen wir dann zurück, was uns damals vorenthalten blieb.

Ja, Opa sein dürfen, ist ein Geschenk – es wird uns dann zu Teil, wenn wir dafür unser Herz und unsere Sinne öffnen. Meinem kleinen Forscher-Enkel danke ich für diese Entdeckung!

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