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Die Fülle haben – und damit umgehen

Einiges hat sich in letzter Zeit bei mir verändert: Seit 6 Wochen bin ich Rentner und seit 4 Wochen wohnen meine Frau und ich nicht mehr auf dem Land, sondern in der Stadt. Beim Einleben in das Neue kam mir öfter die Redewendung „die Fülle haben“ in den Sinn. Denn in mehrfacher Hinsicht erlebe ich eine enorme Fülle: Eine Fülle an Zeit mit der ich gerade erst lerne, umzugehen. Und eine Fülle an urbanen Möglichkeiten, die mich noch etwas überfordern: Freizeitangebote, Konsumangebote, Bildungsangebote und auch spirituelle Angebote. Was könnte ich da nicht alles machen, kaufen und erleben!

„Die Fülle haben“ – unterschwellig ist mir bewusst, dass dies ein Text aus der Bibel sein muss. Und ich schlage nach bei 3. Mose 26,5: „…und sollt Brot die Fülle haben, und sollt sicher in eurem Land wohnen“, lautet es da unter der Überschrift „Verheißener Segen“. Denn es sind die Verheißungen Gottes an sein Volk, die er Mose gegenüber gibt.

Ich bin so frei und deute für mich das „Brot“ umfassender: Was mir in meiner neuen Lebensphase verheißen wird, ist Nahrung für Körper, Seele und Geist –  und alles die Fülle! Doch gerade mit der Menge, dem Überfluss, ist gar nicht so einfach umzugehen. Was von dem Vielen ist gut für mich, macht nicht nur Spaß sondern auch Sinn? Der Mose-Textabschnitt gibt mir ein paar Verse zuvor eine Orientierung. Denn die Segnungen Gottes werden hier mit einer Bedingung verknüpft: „Wenn ihr euch nach meinen Anweisungen richtet und meine Gebote befolgt, werde ich euch mit Segnungen überschütten…“, heißt es da. Ich bin froh, dass ich immer wieder Männern (und Frauen) begegne, die mir durch ihr Leben Impulse geben, was es heute konkret bedeutet, sich an die Anweisungen Gottes zu halten und seine Gebote zu befolgen. Es bedeutet, in Verantwortung vor Gott und der Welt zu leben. Die mir geschenkte neue Fülle darf ich mit Freude genießen, wenn ich nicht kurzfristigem, egoistischem Konsum hinterherlaufe sondern durch mein Tun mein eigenes Leben und das anderer Menschen reichhaltiger und sicherer gestalte. Wäre diese Erkenntnis nicht auch ein wichtiger Aspekt zum Erntedankfest, das nun bald in allen Kirchen begangen wird?

 

 

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