Die Herausforderung annehmen

Matthias KrauterklEine Ölquelle geriet in Brand. Die Ölgesellschaft rief Fachleute zur Hilfe, um das Feuer zu löschen. Aber die trauten sich wegen der großen Hitzeentwicklung nicht nahe genug an das Feuer heran, um es wirksam bekämpfen zu können. Auch die örtliche Feuerwehr war alarmiert worden. Sie rollte mit ihrem alten klapperigen Feuerwehrauto die Straße herunter und kam kurz vor dem Brandherd zum Stehen. Die Feuerwehrmänner sprangen aus dem Wagen und während einer die anderen ständig mit Wasser besprühte, gelang es ihnen, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Als sich wenige Tage später der Chef der Ölgesellschaft bei der Feuerwehr mit einem großzügigen Scheck erkenntlich zeigte, fragte er den Feuerwehrhauptmann, was sie denn mit dem Geld machten wollten. Da meinte dieser: „Zuerst einmal werden wir die Bremsen unseres Löschfahrzeuges reparieren.“

 Es gibt Punkte in unserem Leben, da sind wir auf einmal mittendrin in einer unvorhergesehenen Situation. Da sind wir ganz nah dran am Geschehen, obwohl wir das vielleicht gar nicht so wollten. Dann haben wir genau zwei Möglichkeiten: Entweder wir versuchen zu fliehen oder wir nehmen – wie die Feuerwehrmänner – die Herausforderung an und versuchen das Beste daraus zu machen. In unserer Geschichte wurden die Feuerwehrleute ungewollt zu Helden, weil sie ungebremst ziemlich nahe ans Feuer gerieten aber dann diese Herausforderung annahmen. Sie haben den Brand gelöscht und wurden anderen so zum Segen.
In unserem Alltag kommen wir immer wieder ungewollt in „heiße“ Situationen:
Da komme ich als Ersthelfer zu einem Unfall.
Da erklärt mir ein guter Freund, dass er gerade vom Arzt kommt – Diagnose Krebs.
Ich bekomme mit, wie ein Nachbar seinen kleinen Sohn schlägt.
Oder ich werde im Asylheim zu einem Tee eingeladen, obwohl ich eigentlich nur von Ferne mal schauen wollte und auch kein Wort Syrisch kann.
Situationen, wo ich am liebsten nach einer Ausflucht suchen würde. Aber dann nehme ich die Herausforderung doch an und versuche zu helfen oder einzuschreiten oder das zu tun, was in der entsprechenden Situation gerade gefordert ist. Und ich erlebe, dass ich – wenn schon nicht zum ungewollten Helden – so doch anderen Menschen ungeplant zum Segen werde.
Als der große Führer Israels, Mose, starb, stand sein Diener Josua vor der Herausforderung, seine Nachfolge antreten zu sollen. Ihm war gewiss auch nicht wohl, in diese großen Fußstapfen treten zu müssen. Aber er bekam von Gott damals mit seiner Berufung zusammen die Zusage: „Sei getrost und unverzagt, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ Josua vertraute Gottes Zuspruch und packte die riesige Aufgabe an, das Volk Israel in das Land der Verheißung und in eine neue Zukunft zu führen. Josua erlebte immer wieder: Das Risiko hat sich gelohnt. Gott steht zu seinem Wort. Er segnet in Situationen, in denen wir uns am liebsten aus dem Staub machen würden. Darum: „Sei getrost und unverzagt!“

Matthias Krauter, Bezirksmännerpfarrer im Kirchenbezirk Geislingen

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Ein Kommentar zu Die Herausforderung annehmen

  1. Eberhard Gläser 17. April 2016 um 16:34 #

    Hallo Matthias,

    eben erst lese ich deinen Beitrag – warum: Weil ich jetzt selbst einen geschrieben habe, der wohl morgen hier erscheint. Klasse, die Geschichte von den Feuerwehrleuten, „die unfreiwillig zu Helden werden“ (aus deinem Kommentar dazu). Aus dem, dass ich deinen Beitrag erst gelesen habe, nachdem ich selbst einen geschrieben habe, ergibt sich gleich wieder die alte Erkenntnis: Was einen selbst bewegt, macht einen auch (eher) aufmerksam für entsprechende Erfahrungen bei andern. Danke dir!

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