Die vier männlichen Archetypen als innerer Kompass [Serie]

Folge 1 der Serie „Die vier männlichen Archetypen als innerer Kompass“.

In zahlreichen Männerbüchern oder in Männerseminaren begegnen wir immer wieder dem Begriff „Männliche Archetypen“. Es ist dann vom „König“, vom „Krieger“, vom „Magier“ und vom „Liebhaber“ die Rede. Aber was ist damit gemeint? Und warum kann es sich für Männer lohnen, sich damit zu befassen?

Um zu spüren, was Archetypen sind, lade ich dich, lieber Leser, zunächst zu einem Experiment ein: Stell dich aufrecht hin und schließe einen Moment die Augen. Entspanne dich und stelle dir nun vor deinem inneren Auge einen König vor. Wenn du Lust hast, dann ahme auch seine Körperhaltung nach: Wie steht dein König da? Welche Kleider hat er an? Hält er etwas in der Hand? Und wie hält er das? Auf diese Weise kannst du nun in der Vorstellung auch in die anderen drei Archetypen hineingehen. Immer, wenn ich diese kleine Imaginationsübung in einem Seminar durchführe und die Männer anschließend bitte, die Augen zu öffnen, stellen sie verblüfft fest, wie ähnlich sie sich in ihren Körperhaltungen, in Gestik und Mimik sind.

Dieses Ergebnis erklärt sehr gut, was Archetypen eigentlich sind, nämlich innere Bilder, Urbilder der Seele, die sich im „kollektiven Unbewussten“ (C. G. Jung) der Menschen immer wieder bilden. Archetypen sind die „ewig lebende Bibliothek in uns allen“. Und wenn wir dafür aufmerksam werden, so entdecken wir diese Urbilder der Seele in Romanen, in Märchen, in klassischen Dramen, in Comics und in zahlreichen Spielfilmen in Form der verschiedenen Charaktere.

Aber wir finden alle diese archetypischen Figuren auch in unserem Inneren. Und wir leben sie bewusst oder unbewusst auch im Alltag. Als Ernährer der Familie oder Chef sind wir vielleicht manchmal der „König“. Bei der Frau unseres Herzens dürfen wir der Liebhaber sein. Kämpfen wir für unser Recht oder unsere Meinung, werden wir zum „Krieger“. Und verstehen wir es, eine Zuhörerschaft durch unseren Vortrag zu gewinnen, so agiert in uns der „Magier“.

Die vier Archetypen sind sehr hilfreich bei der persönlichen Entwicklung und Reifung. Denn gehen wir mit ihnen nicht mehr nur unbewusst um, so können wir sie als inneren, geistigen Kompass nutzen. Sie können uns ein Reiseführer sein auf der Suche nach dem Mann, der ich eigentlich bin oder sein könnte – eine Orientierungshilfe bei der seelischen Erkundung. Wichtig aber ist dabei, dass wir uns nicht nur den kraftvollen, strahlenden Seiten jedes Archetypen stellen, sondern auch mutig die dunklen Schattenseiten betrachten. Ein König kann auch zum Despot, ein Krieger zum Sadist, ein Liebhaber zum Muttersöhnchen und ein Magier zum Manipulator werden. Ganzer Mann sind wir, wenn wir unsere Licht- und Schattenseiten gut kennen, wenn wir uns damit annehmen können und bereit sind, uns zu vervollkommnen.

In der nächsten Folge nähern wir uns dem Archetypen des Königs an – und lernen seine Facetten kennen.

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