Nikolaus, du guter Mann...

Ein Nikolaus zum Dahinschmelzen

Zum Frühstück stand er noch neben meinem Gedeck: Der Nikolaus, den mir meine Frau am Morgen hingestellt hatte. Er war so ganz anders, wie die vielen anderen. Kein rotbemantelter, pausbäckiger lieber Opa mit Rauschebart und rot-weißer Kapuze. Auch nicht in glänzendes Stanniol gewickelt. Nein, durch die Zellophantüte sah ich eine fein-gestaltete Figur in gleich drei Schokoladenfarben – überwiegend hellbraun, aber mit weißem Schoko-Bart und mit Stab sowie Mütze in Dunkelbraun gehalten!
Es war unverkennbar ein stattlicher Bischof! Genauer: Das hübsch ausgearbeitete Abbild des historischen Bischofs namens Nikolaus aus der Stadt Patara (ehem. Lykien, heute Türkei), wie er im 4. Jahrhundert gelebt hatte. Als Knabe hatte er seine Eltern verloren, jedoch ein reiches Vermögen geerbt. Doch all dies machte ihn nicht froh. So tat er schon in jungen Jahren Gutes mit seinem Geld und half den Armen, besonders den Kindern – brachte ihnen Äpfel, Nüsse, Mandarinen und Honigkuchen. Später wurde er in Myra zum Bischof geweiht und hatte weiterhin ein Herz für die Benachteiligten. Der 6. Dezember (des Jahres 352) war sein Todestag. Darum wird noch heute an diesem Tag Nikolaustag gefeiert.
So fand ich also diesen großartigen Heiligen – in feine, fair gehandelte Schokolade gegossen – am Morgen vor. Doch dann gingen wir für viele Stunden aus dem Haus – der heilige Schokoladenmann blieb auf dem Tisch beim Fenster stehen.
Bei meiner Rückkehr allerdings bot sich mir ein trauriges Bild: Mein Bischof von Myra war nur noch halb so groß und bis zum Bauch in sich zusammengesunken! Die Wintersonne hat ihn dahin schmelzen lassen! Und das an einem Tag, den wir unterwegs als nebelig und sehr kalt erlebt hatten. Sonne hatten wir jedenfalls nicht gesehen…
Nun denke ich darüber nach, was mir das Erlebte sagen soll: Nächstes Mal schlicht besser aufpassen? Verstehen, dass die Sonne immer scheint, auch wenn ich sie manches mal nicht sehen kann? Lernen, dass die Lebenszeit auch jedes noch so guten Menschen eines Tages (und oft schneller als gedacht) enden kann? Oder steht das Erlebte für die Bedeutung der Kirche und ihrer Vertreter, die in der heutigen Zeit dahin schmilzt, wie Schokolade in der Sonne?
Vielleicht beiße ich, bevor ich noch länger grüble, doch lieber in die Reste der Schokolade und hole mir im Gedenken an den großartigen Nikolaus von Myra die Kraft für mein Männerleben heute!

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