Eine neue Zeitrechnung von Kindheit?

Beim alltäglichen, öffentlichen Unterwegssein bemerke ich seit einiger Zeit eine Veränderung: Kinder (geschätzt bis 13 Jahre) sind im Zug, im Bus, … immer mehr mit ihrem Smartphone beschäftigt. Kaum eines hat keines in der Hand, stiert nicht auf den Bildschirm, zeigt diesen nicht seinen Freunden/Freundinnen. Dabei gibt es keinen Geschlechterunterschied, so meine Beobachtung.
Ich weiß, die Welt hinter dieser bunten Glasscheibe ist unendlich und unendlich interessant für Kinder (und Erwachsene). Eine ethische Bewertung darüber, was viel  zu früh an Müll, Pornografischem etc. dadurch in den Augen und der Seele der Kinder landet, lasse ich hier weg. (Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Frau von Weiler hat neulich ein Handyverbot für Kinder unter 14 Jahren gefordert, in Anlehnung an ein Verbot von Alkohol, Zigaretten, jugendgefährdender Schriften und Sendungen etc.) Wenn meine Beobachtungen, dass Kinder heute zu früh und zu massiv das Handy als Gegenüber benützen (laut einer Umfrage zeitlich länger als das tägliche Elterngespräch) richtig sind, was heißt dies dann für das Vatersein heute?
Vater sein ist doch vor allem mit Kindern in ihre Kinderwelt eintauchen und sie ihnen möglichst lange erhalten, um sie danach behutsam in die Erwachsenenwelt hinüber zu führen, als Vater, nicht durch das www. Das heißt gemeinsame Aktionen planen und durchführen, um mit dem Kind das ihm noch Unbekannte zu entdecken und gemeinsam zu erleben. Mit den eigenen Füßen (und Händen) am Fuß des Berges oder am Bach. Diese verschafft – vielleicht erst nach einer Zeit der Mühe und der anstrengenden Kreativität trotzdem Glücksmomente, an die man sich noch lange als Kind erinnert. Bei solchen Aktionen ist man als Kind für sein eigenes, auch emotionales Glück zu sorgen, herausgefordert. Es wartete nicht hinter dem Bildschirm, dass ich es leicht und einfach erklicke. Entweder man macht aktiv und kreativ etwas daraus oder es ist ggf. auch langweilig.
Das Netz liefert heute vermeintliches „Kinderglück“ frei Haus, ständig und en mass. Ist die leichte und „unbeschwerte“ Kindheit heute nur noch so lange vorhanden so lange Kinder noch kein Smartphone besitzen? Definiert sich Zeitrechnung von Kindheit heute so: Vor bzw. nach dem Besitz eines eigenen Smartphones? Wenn Eltern nichts dagegen tun, werden sie heute viel zu früh in die Erwachsenenwelt gebeamt der sie noch gar nicht standhalten können und sollen.
Mein persönlicher Apell: Väter, rettet die Kindheit eurer Kinder. So spät wie möglich ist immer noch früh genug. Der Staat wird – weil es auch genügend „Experten“ gibt die vor einem Verbot warnen aus den unterschiedlichsten Gründen (Rückfall in die „Steinzeit“, abgehängt werden gegenüber anderen … – dieses sind aber alles andere Interessen als die Kindheit der Kinder) – nichts Wesentliches unternehmen und weiter medial massiv aufrüsten, auch in den Schulen, 5G-Strahlung hin oder her.  „Bevatern“ wäre dagegen ein Ersatzprogramm: Im Zelt und draußen, Mithilfe zur Selbsterprobung auch wenn es anstrengt, gemeinsame Wagnisse für die kindliche Lebensmutgewinnung, Unbequemlichkeit und ggf. auch einmal Mangel aushalten (für die meisten Menschen dieser Welt ist dies sowieso ihr „tägliche Brot“), nicht nur zeitlich überproportionales sehen und starren, sondern fühlen, riechen, hören, schweigen, staunen usw. Dies verhilft zur ganzheitlichen, glückenden Menschwerdung. Gott hat den Menschen mit mehr ausgestattet als nur mit zwei Augen und zwei Finger.
Hoffentlich haben junge Väter heute die Kraft und die Zeit dazu. Ein Handyverbot für Väter (in der Familienzeit) wäre da und dort vielleicht Voraussetzung.
Übrigens: Meine 4 Kinder wuchsen damals ohne Fernseher auf, aus ähnlichen Gründen wie oben benannt. Meine Frau und ich haben selber darauf 20 Jahre bewusst verzichtet. Wir hatten dadurch viel Zeit für sie – und sie mit uns. Sie haben daran keine Schaden genommen, im Gegenteil. Sie sind heute alle Erwachsene die mit beiden Beiden gut im Leben stehen (können).

 

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