Es ist kompliziert …

Neulich war ich unterwegs. Als Gast auf einer kirchlichen Tagung. Es ging im weitesten Sinne um Umweltschutz. Und um das z. Zt. brennende Thema: Wie positionieren wir uns als christliche Einrichtungen zur E-Mobilität. Das einleitende Postulat lautete: Ich plädiere für die sukzessive Umstellung des eigenen KFZ-Bestandes auf E-Autos bis … (Jahreszahl). So weit so gut. Klingt vernünftig und zeitgemäß.

Der Folgebeitrag: Aber wie ist das eigentlich mit der Herstellung der Batterien? Aus den Medien und dem Internet weiß man, dass für die Herstellung der Batterien Rohstoffe importiert werden müssen, die – ähnlich wie beim Abbau von Seltenen Erden für die Smartphone-Produktion – oftmals unter sklavenähnlichen Bedingungen gewonnen werden. Passt das zu einer christlichen Einrichtung, die auch hier mit ihren Werten Ernst machen will?
Und wie ist das mit der Entsorgung? Trägt eine wachsende E-Mobilität dann nicht auch verstärkt zu einem exponentiellen Wachstum von E-Schrott und Sondermüll bei? So ging es weiter …

Ich war nur als Gast auf der Tagung. Ich merkte: Ich bin selber noch gar nicht tief genug in diesem Thema drin. Die einfache Gleichung „Verbrennungsmotor ist schlecht – E-Mobilität ist gut“ gerät an diesem Vormittag bei mir in die Schieflage. Die Realität ist viel komplexer als es das Grundrauschen in der Gesellschaft vermuten lässt. Ich bin ernüchtert. Und ich bin frustriert.
Obwohl wir als Christen die Schöpfung bewahren und Natur auch für die nächste Generation schützen wollen, werden meist nur Lösungen präsentiert die – global gesehen – ethisch kaum bis gar nicht vertretbar sind. Was nun?

War das früher auch schon so? Sagen wir: vor 100 oder 1000 Jahren? Nur mit den Unterschied, dass die internationale Brille damals noch nicht relevant war? Würde Jesus Christus heute ein E-Auto kaufen? Oder weiterhin laufen?
Für einen Mann und Christen wie mich gibt es wenig Frustrierenderes als Probleme, die offenbar nicht wirklich gut zu lösen sind. Ist dann die einzige Möglichkeit: Scheuklappen aufsetzen und das machen, was der Mainstream macht oder was sich für die Einrichtung rechnet? Oder wozu der eigene Geldbeutel rät, unabhängig von den eigenen, inneren Überzeugungen? Ich bin mir unschlüssig – und ehrlich gesagt auch ratlos. Was raten Sie mir?

Andreas Niepagen

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4 Kommentare zu Es ist kompliziert …

  1. Avatar
    Tilman Kugler 10. Mai 2019 um 11:36 #

    Möglichweise müssen wir unseren motorisierten Individualverkehr und die massenhaften Flugreisen zugunsten öffentlicher Verkehrslösungen sowie mehr Fuß- und Radverkehr reduzieren.

    Allerdings sollte dann der öffentliche Bus- und Bahnverkehr auch besser werden.
    Insbesondere auf dem Land.

  2. Avatar
    Alfred Schmid 10. Mai 2019 um 14:34 #

    Der im Beitrag beschriebene Konflikt ist für mich letztendlich nicht auflösbar.Vielleicht müssen wir aber anders ansetzen und uns erstens fragen, wie wir Mobilität einsparen können bzw. zweitens durch die Bahn und den ÖPNV ersetzen können. Bahn und Straßenbahn brauchen keine Batterien. In der Stadt kann ich das Fahrrad nutzen oder vermehrt zu Fuß gehen.

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      Niepagen 14. Mai 2019 um 12:59 #

      … und andererseits merke ich, dass ein immer schnelleres Arbeits- und Lebenstempo – selbst im ländlichen Bereich – das Auto zum Fortbewegungsmittel Nummer eins macht: Mal noch was holen, was vergessen, noch mal kurz …

      Langfristige Planung ist auch hier immer schwieriger, kostet (noch) mehr Gehirnanstrengung, erfordert mehr Logistik …

  3. Peter Gollasch
    Peter Gollasch 12. Mai 2019 um 7:46 #

    Lieber Andreas,
    da kann ich Dir leider auch keinen richtig guten Rat geben, denn da geht es mir und sicher den meisten anderen genauso.
    Und vermutlich läuft es drauf hinaus, mit dem Teufel den Beelzebub auszutreiben…
    Passend dazu:
    In der heutigen Sonntagsbeilage, Reiseteil wird als Tipp empfohlen:
    „wählen sie eine ökologische Anreiseform wie Zug, Bus oder PKW (sic!)“.
    Soll heißen, verglichen mit dem Flugzeug ist das Auto das kleinere Übel.
    Also so weit sind wir schon…
    Also ich plädiere für ein gesundes Maß bei der PKW Nutzung (ich wäre übrigens für eine CO2 Steuer, wenn Sie in die Bahnstruktur investiert wird) und finde, der Fokus liegt viel zu sehr auf dem reinen E-Auto mit den von Dir beschriebenen Folgen. (Über die mangelnde Infrastruktur will ich hier gar nicht reden).
    Und ich finde:
    Die Alternativen Brennstoffzellenantrieb und Erdgas werden viel zu wenig diskutiert.
    Da gäbe es sicher noch viele Möglichkeiten.(In den Ballungsgebieten z.B. Sammeltaxen)
    In diesem Sinne, einen schönen Sonntag,
    Peter

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