Fall-Rückzieher

Da war doch neulich was – Ronaldo hat ein klasse Tor rückwärts geschossen – ein Kunstwerk, gelobt sogar  von Torhüter Gianluigi Buffon (Juventus Turin), der es nicht halten konnte. Zu überraschend, zu schnell. Haben Sie es zufällig gesehen? Frei schwebend in der Luft, mit dem Rücken zum Tor, in Millisekunden erdacht, enschieden, ausgeführt. Die Erdanziehungskraft und der Gegner lassen einem Fußballspieler dazu nicht viel Zeit. Klasse gemacht, extra Klasse sogar.
Fall-Rückzieher, ein Begriff der zwei Tätigkeiten geschickt in einen bringt: fallen – und rückziehen – im normalen Leben eigentlich unmöglich. Wenn wir Männer fallen sind wir (wenn möglich) darauf konzentriert, sanft zu fallen, uns auf zu fangen, in der Realität und im übertragenen Sinne. Fallen ist nie schön, gibt Blessuren an Körper, Psyche und an der Seele eines Mannes. Fallen ist normalerweise Ungeschick, nicht Stärke, Schwäche statt Selbstorganisation, Versagen statt Vergnügen, Gesichtsverlust statt Anerkennung. Dies versuchen wir Männer zu  vermeiden – keine Frage, aber trotzdem passiert es, ungewollt oder selbst verschuldet, hineingeschlittert.Wenn Männer fallen, ziehen sie sich meist zurück, hinein ins eigene „Schneckenhaus“. Erst mal abwarten, Gedanken sortieren, Abläufe re-kapitulieren. Ist oaky, viel besser als drauf los brüllen oder schlagen, um nach außen wieder „Herr der Lage“ zu sein.

Ein Fallrückzieher hingegen ist kein Ungeschick sondern Absicht und Stärke des eigenen fußballerischen Könnens, selbst entschieden nicht Schicksal, im Fallen eine gewagte Tat versucht – und gewonnen.  Wenn wir das im Leben doch auch öfter mal so hinbekommen würden: Im Fallen das Heft in der Hand behalten und das sich abzeichnende Scheitern in eine positive Aktion verwandeln, aus der man sieghaft hervorgeht. Schwierig. Die Worte, die eigenen (und fremden) Emotionen, die Zuschauer, die Umstände, alles „Gegner“ der positiven Wandlung und des „Erfolgs“. Dagegen sind Erdanziehungskraft und Fußballgegner meist noch gut einschätzbar.

Ostern ist vorüber. Jesus ist/war gefallen und hat im Fallen einen Sieg errungen, den über den Tod. Er ist/wurde auferstanden von Gott dem Vater. Alle Kräfte dieser Welt – und der zukünftigen – haben ihn nicht im Tode halten können. Ein Sieg für ihn – und für uns Männer/Frauen. „Folge mir nach“ ist in diesem Fall keine moralische Überforderung, sondern ein Hoffnungswort wenn wir selber einst fallen. Seine Tat, die uns rück-zieht, zurück zieht, in die guten Hände Gottes, in die Ewigkeit. Eigentlich ein unfassliches Kunststück der Extraklasse und kaum zu fassen.

(Das Bild im Artikel ist ein freies: CarlosDelegadoCCBY-SA3.0, commons.wikimedia.org).

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