Fixierung auf das Äußere: Die Selbstwert-Falle der Männer

Männerberater Hans Kahlau meint: Gesunder männlicher Selbstwert macht sich nicht an äußeren Status-symbolen fest. Der Instabilität der äußeren Welt können wir nur durch die Entwicklung unserer inneren Werte wirklich begegnen.

Männerberater Hans Kahlau meint: Gesunder männlicher Selbstwert macht sich nicht an äußeren Status-symbolen fest. Der Instabilität der äußeren Welt können wir nur durch die Entwicklung unserer inneren Werte wirklich begegnen.

Ein Beitrag von Gestalttherapeut und Männerberater Hans Kahlau

Ein gesunder, wie ein mangelnder Selbstwert haben ihre Ursache überwiegend in unserer frühen Kindheit. Ein brüchiger Selbstwert ist jedoch kein unabwendbares Schicksal. Was können wir als erwachsener Mann für einen gesunden Selbstwert tun?

Der Männerforscher und Buchautor Walter Hollstein sieht im „männlichen Syndrom“ , also in der einseitigen Fixierung auf alles Äußere, eine der großen Selbstwertfallen des Mannes. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung, aber auch aus über 20 Jahren Männerarbeit und Männerberatung bestätigen. Denn wenn wir unser Selbstwertgefühl überwiegend nur aus äußeren Dingen („Mein Haus, mein Auto, meine Boot, mein Job…“) beziehen, haben wir uns selbst dabei eigentlichen schon verloren!
Überlegen Sie selbst: Was geschähe mit Ihnen, wenn Sie ihre Arbeit und die damit verbundenen Statussymbole verlieren würden? Was, wenn sich ihre Partnerin plötzlich von Ihnen trennen will? (Die Mehrzahl der Scheidungen wird heute von Frauen eingereicht!). Dann würde bei vielen von uns der vermeintlich starke Selbstwert ganz schnell in sich wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

Erst wenn wir dem Äußeren wieder weniger Bedeutung beimessen und uns stattdessen stärker unserer Innenwelt, den inneren Werten zuwenden, wenn wir

  • unsere Emotionen spüren und ausdrücken lernen,
  • uns um echte Beziehungen bemühen und diese pflegen,
  • uns mutig unsere Aggressionen anschauen,
  • uns auch unseren dunklen Seiten stellen,
  • uns Schwächen und Fehler gestatten,

erst dann werden wir ein wirklich tragfähiges männliches Selbstwertgefühl entwickeln. Dann werden wir vom „halbierten Mann“ zum ganzen Mann – mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand!
Ein in dieser Weise gesunder Selbstwert ist für Männer heute heute „über-lebenswichtig“. Denn der Instabilität der äußeren Welt und dem Verfall ihrer Werte können wir nur durch eine innere Stabilität begegnen.

Hier noch ein paar Anregungen zu persönlichen Weiterarbeit am Selbstwert:

  • Akzeptieren Sie sich mit all Ihren Fehlern und Schwächen. Haben Sie Mitgefühl mit sich selbst und anderen: „nobody is perfect!“
  • Erkennen Sie Ihre eigenen Leistungen und auch die Erfolge anderer an.
  • Pflegen Sie intensive Freundschaften. Dann erhalten Sie auch ehrliche Rückmeldungen.
  • Leben Sie mit Freude und Lust: Lernen Sie wieder zu staunen, werden Sie wieder neugierig, fördern Sie Ihre Kreativität, trainieren Sie die Sinne und das Gefühl für Leichtigkeit.
  • Seien Sie mit sich selbst achtsam, wertschätzend und geduldig: Mäßigen Sie Ihren inneren Kritiker und rehabilitieren Sie gelegentlich ihren inneren „Faulpelz“ und Müßiggänger.
  • Seien Sie sich selbst Vater und Mutter – vor allem dann, wenn Sie als Kind nicht bekommen haben, was Sie dringend gebraucht hätten: Liebe und Zuwendung.
  • Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht vorwiegend auf Ihre Defizite, sondern auf Ihre Ressourcen, auf Ihre positiven und vorhandenen Eigenschaften.

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