Tilman-kl

Geht doch!

Mal wieder erhitzen sich die Gemüter am Tempolimit. „Tempo 130“ auf allen deutschen Autobahnen, ein grundvernünftige und überhaupt nicht neue Überlegung, die viele Autofahrerinnen und -fahrer sinnvoll finden (und längst intuitiv befolgen), bringt manche Männer (und Frauen) überraschend heftig aus der Fassung.

Winfried Kretschmann hat mit der Aussage „Was dem Amerikaner seine Waffe ist, ist dem Deutschen das Rasen“ offenbar in einer Weise gegen das Heilige Blechle gelästert, dass er nun von Angehörigen der automobilen Kultusgemeinde als der Leibhaftige an die Wand gemalt wird. Und manche gelbe Weste hängt schon wieder an der Garderobe um den grünen Gefahren zu trotzen.

„Geht’s noch?“ fragt sich da so mancher Zeitgenosse. Und bringt damit die Sprache auf eine ganz andere Fortbewegungsart: Nämlich das Gehen.

Das Gehen wird unterschätzt. Meist wird es als (zu) langsame Fortbewegungsart eher notgedrungen akzeptiert. Und manches Start Up arbeitet daran, die „letzte Meile“ mit e-Scootern und anderen Geräten schneller und vor allem smarter in den Griff zu bekommen.

Zu Fuß gehen, ohne allzu große Eile, ist für viele verlorene Zeit, „Flanieren“ oder „Promenieren“ ist völlig aus der Mode. Walking oder Trekking – ja, das erhöht die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit, und wenn Du Letzteres in Katmandu machst, steigt mit dem Kohlendioxidverbrauch auch das Ansehen bei den Kumpels. Oder auch nicht ;o)

Allein Familien mit Kindern sieht man häufiger entspannt und ohne Eile durch die Straßen und Fußgängerzonen spazieren. Und natürlich die Alten. Hin und wieder auch Verliebte …

Ehrlich gesagt: Ich bin gerne zu Fuß unterwegs. Bei keiner Fortbewegungsart fühle ich mich der Natur, meiner Umgebung, und auch meinen Mitmenschen so nahe, wie beim Gehen. Du triffst nette Leute und Eichhörnchen, ohne sie zu gefährden. Und aus manchen werden mit der Zeit Bekannte, die mir fehlen, wenn sie mir mal länger nicht am gewohnten Straßeneck entgegen kommen, oder die Treppe zur U-Bahn herunter kommen.

„Die Seele geht zu Fuß“, lernen Burnout-Patienten in der Klinik von ihrem Therapeuten. Und die Geschichte vom „weisen Mann“, der nach einer weiten Reise auf dem Boden saß und wartete, bis seine Seele nachkommt, ist bekannt. Das Gehen ist die menschlichste und die sozialste aller Fortbewegungsarten. Nicht umsonst ist auch der religiöse Pilger allermeist ein Fußgänger. Zum Pilgern brauchst Du keine großen Ziele. Vergiss die großen Ziele, an denen sogar die Fußgänger im Stau stehen! „Pilgern“ kann jeden Tag und bei Dir vor der Haustüre beginnen: Zu Fuß und achtsam für all das, was Dir unterwegs begegnet. Denn Gott ist mit Dir!

 

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