Gewalt ist männlich und alkoholisiert

Dies war ein Satz in einem der Zeitungsberichte, die zu den „Stuttgarter Krawallen“  zu lesen waren. Es war wohl so (ich war nicht mit dabei), einige eventuell auch stark alkoholisiert und bekifft. Auch ein Rauschmittel, das die Sinne und den Anstand schwinden lassen. Vielleicht waren einige der Übeltäter aber auch stocknüchtern und „nur“ gewaltbereit: Endlich mal zuschlagen gegen die Staatsgewalt, ohne erkannt zu werden in der Menge.

Mehrheitlich männlich vermutlich war aber auch das Gegenteil: Bei eigener Bedrohung mutig gegen diesen Gewaltausbruch anzugehen, ihn einzudämmen und zu beenden und die Täter fest zu nehmen, die sich vermutlich heftig dagegen gewehrt haben.
Das Männliche hat in Stuttgart geschadet und das Männliche hat in Stuttgart gerettet! Dies wäre die vollständige und meiner Meinung nach richtige Formulierung gewesen. So wie oben zitiert ist es nur die halbe, leider traurige Wahrheit und mal wieder ein Negativum auf Männlichkeit.

Ich bin morgen wieder im Amtsgericht als ehrenamtlicher Jugendschöffe tätig. Dort erlebe ich immer wieder diese überbordende, sich selbst überschätzende Männlichkeit der zu 95% männlichen Jugendlichen bei den unterschiedlichsten Straftaten.

Männliche Kraft und Draufgängertum ist per se nichts Schlechtes, muss aber kultiviert werden zum Positiven für sich selber, für die andere und für die Gesellschaft, Männlichkeit zum Nutzen, nicht zum Schaden. Ein gesetzliches Alkoholverbot zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten in Stuttgart würde dies mit unterstützen.

Kultivierung dieser Kraft hieße aber auch, Männlichkeit an das eigene Gewissen zu koppeln, möglichst an das biblisch / christlich orientierte: Selig sind (Oder besser: Freuen und auf dem richtigen Weg sind die) die Frieden stiften … die sanften Mut haben …, die barmherzig sind … (Matthäusevangelium, 5. Kapitel). Wer dies im eigenen Gewissen verankert hat, kann nicht so handeln, wie geschehen.

Den unentdeckten Gewalttätigen von Stuttgart bleibt hoffentlich lange ihr schlechtes Gewissen, das sie vielleicht zukünftig rechzeitig zur Besinnung bringt. Den Beschuldigten bleibt Zeit zum Nach-Denken und der Gerichtsprozess, der dann hoffentlich auch seinen Teil zur Kultivierung ihres zukünftigen Männlichkeitsverständnisses beiträgt.

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