Glaube_Hoffnung_Liebe

Glaube, Hoffnung, Liebe…

Bin auf dem Weg zur Operation. Weiß nicht was mich erwartet, ob ich dort wieder heraus komme, wie es danach sein wird. Bin innerlich an meiner absoluten Grenze angekommen. Habe Abschiedsbriefe geschrieben. Bin mir meiner Endlichkeit und Sterblichkeit bewusst.  Trotzdem ist da in einem kleinen Winkel meines Seins ein Hauch von Zuversicht, von Hoffnung, von Erwartung. Vielleicht heißt das Glauben? Ich weiß es nicht. Seit einer halben Stunde wirkt die eingenommene Tablette. Alle Kanten werden rund, das Licht sanft, Stimmen sind weit weg. Immer wieder schlafe ich unterwegs ein. Jetzt spricht mich jemand an, es ist soweit. Mit Unterstützung wechsle ich vom Krankenbett auf die Operationsliege. Langsam, zeitlupenartig. Freundliche Menschen umsorgen mich liebevoll, fragen ob ich noch ein Kissen brauche. Ein weiches Kissen kommt unter meinen Kopf. Das tut so gut. Bin schon gar nicht mehr ganz da. Jemand fragt mich noch nach meinem Namen und was gemacht werden soll. Ich antworte. Alles ist gut. Es gibt für mich nichts mehr zu tun. Alles ist getan. Nichts mehr zu wollen. Fühle mich wie an einer großen Schwelle. Bin ich auf dem Sprung ins Ungewisse, Haltlose, oder Wunderbare? Mein normales Denken ist weit weg, es ist in diesem Augenblick des Übergangs unwichtig geworden. In diesem Moment legt jemand eine leichte, vorgewärmte Decke über mich. Das ist wundervoll! So zugedeckt diese Reise anzutreten ist einmalig für mich! Ich spüre das Wunder der Fürsorge und ein herrliches Wohlgefühl ist in mir. Noch ein kleines Stück, dann bin ich auf der anderen Seite. Jetzt sorgen andere für mich, alles wird gut werden. Da ist er wieder, der kleine Hauch der Zuversicht, dieser Hoffnungsschimmer, dieses Dennoch! Eine Stimme sagt, dass jetzt die Narkose beginnt. Fühle mich innerlich bereit. Im nächsten Moment bin ich weg.

P.S. Die Operation war erfolgreich. Der Patient ist wieder aufgewacht und auf bestem Wege.Tausend Dank, an meine Familie und alle die mich durch diese Zeit „getragen“ haben!

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2 Kommentare zu Glaube, Hoffnung, Liebe…

  1. Peter 20. März 2017 um 6:57 #

    Hallo Andreas,
    danke für diesen Beitrag. Alles Gute und weiterhin gute Besserung!

  2. Ludwig 1. August 2017 um 18:44 #

    Hallo Andreas,

    welche Erwartungen hattest Du und wie sehen sie jetzt im Lichte der Nachoperationszeit aus?
    Wie ging es Dir beim Schreiben der Abschiedsbriefe so mitten im Leben?

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