Gott sei Dank, es sind Ferien! Gott sei Dank, morgen ist wieder Sonntag!

Sommerzeit. Ferienzeit. Urlaubszeit. Mal was anderes tun als Mann, was anderes sehen, neue Eindrücke sammeln. Aus der gewohnten Tretmühle rausgehen und … einfach mal weg sein. Etwas machen, was man schon so lange schon vor sich hergeschoben hat und wofür keine Zeit übrigblieb.
Väter und Mütter fürchten manchmal diese Zeit, wenn nicht nur die Schule Pause macht, sondern mit Verein und Musikschule auch der wöchentliche Stundenplan ihrer Kinder „äußerst flexibel“ wird. Dann erhofft man sich von den gemeinsamen Urlaubswochen im Ferien-Resort oder im Wohnwagen harmonische und aufregende Tage miteinander und mit den Kindern.
Einfach mal aussteigen – vielleicht auch Ferien vom ich sozusagen. Das wäre es! 14 Tage oder drei Wochen frei machen. Vom Job. Vom Chef. Von den Kollegen. Vom Spanner-Nachbar. Von der engen Wohnung. Von den finanziellen oder Beziehungs-Problemen mit denen man es das übrige Jahr zu tun hat. Und am besten auch aussteigen aus einem kranken Körper, aus Umständen, die nicht mehr passen.
Meine Erfahrung ist: Für die meisten der aufgezählten Sehnsüchte gibt es keinen Urlaub. Wir nehmen sie mit, auch wenn wir in den Flieger nach Kroatien oder in die Türkei steigen. Manchmal sind diese 14 Tage enges Zusammenleben als Familie im Urlaub noch einmal eine ganz besondere Herausforderung auch für  uns Männer, weil man diese vielen Tage am Stück ungewohnt lange und eng zusammen verbringt/verbringen muss. Und der „Rest der Probleme“ wartet, wartet geduldig auf die Zeit, wenn Mann wieder zurückkehrt. Dann sind sie wieder da. Versprochen. Bestenfalls hat man im Urlaub eine neue Idee dazu bekommen, wenn man dann doch mal wieder drandenkt, einfach so, im fernen Urlaubsort.
Was man bräuchte wäre eine stärkere Vermischung von Ferienzeit und Alltagszeit. Dann wären die Erwartungen an den Urlaub vielleicht nicht mehr ganz so hoch, weil dann im übrigen Jahr auch kleine Ferienzeiten – Urläubchen – vorhanden sind. Hier schlage ich den Bogen zur Überschrift und zur christlich/biblischen Aussage dieser Kolumne.
Von Anbeginn der Menschheit an ist in jeder Woche ein Tag Mini-Urlaub vorgesehen in dem nicht das eine Rolle spielt, was Mann hat und kaufen kann, sondern wo das zählt, was und wer Mann ist. Wo nicht Schaffen dran ist, sondern „genießen“. Andere Menschen, die Familie, die Freunde. Und: Christen nutzen diese Zeit auch dazu, Gott zu „genießen“. Mit ihm zusammen Zeit zu verbringen. Sich auf ihn zu konzentrieren und nach seinem Willen für das eigene Leben und die Menschheit insgesamt zu fragen.
„Gott segnete den siebten Tag und stellte ihn extra, weil er an ihm ausruhte von allen seinen Werken, die er geschaffen hatte.“ (1. Mose Kapitel 2, Vers 3)
Gott sei Dank, es sind Ferien! Gott sei Dank, morgen ist wieder Sonntag!

Andreas Niepagen, Diakon Großbottwar

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3 Kommentare zu Gott sei Dank, es sind Ferien! Gott sei Dank, morgen ist wieder Sonntag!

  1. Martin Laumann 6. September 2017 um 21:19 #

    Sonntag! Wer arbeitet denn nicht doch am Sonntag? Wie viele machen noch ihre Büroarbeit? oder Gartenarbeit? oder Auto reinigen? Von den Berufen, die am Sonntag ausgeübt werden mal ganz abgesehen.
    Selbst wenn man nicht arbeiten geht, sondern tatsächlich zu einen Gottesdienst sogar, und danach mit der Schwiegermutter zum Mittagessen und danach die eigene Oma im Pflegeheim besuchen: Das kann oft mehr Anstregnung bedeuten als ein gewöhnlicher Arbeitstag. Da ist die Zeit der Erholung und Besinnung auch dahin.
    Oder eben die Auseinandersetung mit den Problemen in der Famiilie, gerade wenn man(n) Zeit hat und sich nicht in Arbeit flüchten kann.
    Dazu ain lustiges Video:https://www.youtube.com/watch?v=vMUc6faWdZc.
    Der Sonntag ist wichtig! Aber es muss nicht der kalendarische sein, sondern der innere!, Das geht auch: Sonntag in Stücken, auf 3 mal verteilt!

    • Andreas Niepagen 6. Januar 2018 um 15:34 #

      Lieber Herr Laumann
      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar auf meinen Segenstext. Für mich ist die Frage, wie wir den Sonntag leben, durchaus vielschichtig. Zum einen ist da die vom Staat eingeräumte Möglichkeit eines freien Tages für möglichst alle zusammen zum gleichen Zeitpunkt. Das ist historische gewachsen, und ich meine, das ist gut so.
      Auch wenn dieser freie Tag durch Internet und gelockerte Öffnungszeiten immer weiter ausgehöhlt zu werden droht, führt eine „Ein Tag ist wie der andere“-Denke in die verkehrte Richtung, sowohl persönlich wie gesellschaftlich. Wenn nämlich die Sonntagsarbeit auch arbeitsvertraglich in der Folge mehr und mehr zum Standard werden sollte. Persönlich habe ich aus meiner Arbeitserfahrung in einer Psychotherapeutischen Einrichtung genug von Menschen mitbekommen, die nichr mehr runterkommen, nur noch innerlich auf Touren sind.
      Ich glaube, der Sonntag zeigt sich einerseits in der Gelegenheit, Gott zu ausgiebiger als sonst zu begegnen. Der freie Sonntag ist für mich ein Tag des Seins, nicht des Tuns oder des Kaufens. Hier ist für mich die große Herausforderung: Wer bin ich eigentlich – abgesehen von meinem Titel, von meiner Arbeit und von meinem Besitz? Wer bin ich, wenn es nur um mich geht? Und wer bin ich im Gegenüber zu meinen Mitmenschen? Meiner Frau? Meinen Kindern? Anderen Verwandten, Freunden, Bekannten, Passanten? Dies ist meine große Herausforderung, mich dem zu stellen.

      Aus der Verhaltenspsychologie wissen wir, dass alles Wichtige zu einer Gewohnheit werden muss, damit es sich in unserem Leben auswirken kann. So ist für mich persönlich auch jeder 7. Tag die Einladung, Gott in und die Anderen der Gemeinde zu treffen und ihn mit anderen Menschen zusammen zu ehren. Diese Zeit kann ich mir nehmen. Muss ich aber nicht. Ich glaube jedoch, dass das Schielen auf die Anderen („Wer arbeitet denn am Sonntag nicht“) nicht zielführend ist. Wie viele Zeitgenossen reden von der inneren Unruhe, welche sie antreibt und nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.
      Daher ist für mich der Sonntag – im Idealfall – der Tag, an dem ich „bin“ und nicht zu kaufen brauche, nichts machen muss. Tanken verschiebe ich wenn möglich auf Samstag oder Montag. Und die Sonntagsbrötchen backen wir auf oder essen sie samstags. Das ist meistens möglich. Hier lebe ich. Ohne einen freien Tag in der Woche wäre vieles in der Gesellschaft nicht mehr möglich.

      Freundlichst Ihr Andreas Niepagen

  2. ulrich thierhoff 9. September 2017 um 10:46 #

    Lieber Martin Laumann, ja, es muss nicht der kalendarische Sonntag sein, sondern der innere Sonntag ! Ich finde diese Formulierung sehr gelungen!
    Wir können unser Leben nicht mehr nach starren Regeln alle gleich gestalten. In der modernen Gesellschaft ist ein striktes Sonntagsarbeitsverbot unsinnig. Auch wir Christen wollen sonntags viele Dienste und Leistungen in Anspruch nehmen, wir sind darauf angewiesen, dass andere für uns arbeiten.

    Leider haben sich unsere Kirchen in dieser Angelegenheit verkrampft und so (durch ihren politischen Einfluss) einigen Schaden verursacht. Auch ihrer eigenen Glaubwürdigkeit schaden sie so.
    Deshalb ist es unsere Aufgabe als Gottesdienstbesucher, immer wieder unsere Pfarrer darauf anzusprechen, wenn sie wieder einmal in der Predigt das Gebot, am siebten Tag zu ruhen, falsch interpretiert haben.
    Herzliche Grüße
    Ulrich Thierhoff

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