Grenzen überwinden – Brücken bauen

Maria unterm Nussbaum, Höchstberg

(Bild: Die beleuchtete Wallfahrtskirche weist uns den Weg )

Wir sitzen in der Mosbacher Stiftskirche, einem gotischen Bauwerk und – einer Besonderheit: Sie ist seit 1708 eine Simultankirche. Wir lauschen der Andacht, singen stimmvoll Lieder und sprechen Psalmen und Gebete. Im katholischen Teil findet gleichzeitig eine Abendmesse statt. Dann laufen wir los.
Steil führt der Weg aus der Stadt an den letzten Häusern vorbei.  Im Wald empfängt uns eine wohltuende, frische Luft; auf den Feldern weht ein kühles Lüftchen. Tief atmen wir den würzigen Duft der Getreidefelder ein. Am Waldrand sind die vielfältigen Vogelstimmen besonders auffallend. Angeregt sind wir in Zweiergesprächen vertieft, nach den Impulsen zum ausgesuchten Motto „Grenzen überwinden – Brücken bauen“. Männer unterwegs können so redselig sein – noch!
Leise wandern wir durch das schlafende Dorf. Kein Mensch und kein Hund begrüßen uns auf den Straßen. Ein erster Telefonkontakt mit dem Pastoralreferenten der Wallfahrtskirche scheitert um viertel nach elf am Funkloch. Eine halbe Stunde später empfängt er uns sehr freundlich und offen an seiner hell erleuchteter Kirche „Maria im Nussbaum“. Nach einer Kirchenerklärung von ihm wieder eine stimmungsvolle Andacht. Dann geht es erwartungsvoll zum nahen Rastplatz an der Bergscheuer.
Jeder sucht sich einen bequemen Platz auf der Wiese. Im Schein der Stirnlampen werden Proviant und Sitz- oder Liegematten ausgebreitet. Schnell lodert ein helles Lagerfeuer und die ersten Würste werden in die Flammen gehalten. Grillen um halb eins unter einem überwältigenden Sternenhimmel. Wer sich lang in die Wiese streckt starrt versunken in den nachtschwarzen Himmel.  Um zwei brechen wir wieder auf und steigen schweigend ins Jagsttal hinab. Bei starker Dunkelheit erfordert der Weg volle Aufmerksamkeit. Eigentlich sollte diese Schweigestunde unsere Gedanken schweifen lassen und die erlebten Eindrücke vertiefen, aber in der Stille der Nacht werden Geräusche verstärkt und anders wahrgenommen: Das ferne Motorrad hinterlässt eine lange Geräuschschleppe, im Tal dröhnt ein Mähdrescher und auf einer Baumwiese feiern Jugendliche eine fröhliche Party.
Um vier begrüßt Vogelgezwitscher den neuen Tag – und wir sind immer noch unterwegs. Vor einer Stunde ist überraschend die schmale Mondsichel im Osten aufgegangen, dort wo wir bald auch die Sonne erwarten. Wie verabredet wecken wir telefonisch in Oedheim den Mesner. Um viertel vor fünf empfängt er uns an der offenen Dreifaltigkeitskapelle am Stadtrand. „Wenn ihr weiterzieht, macht das Licht aus und schließt die Tür zu“ sagt er freundlich und verschwindet wieder in die Morgendämmerung. Mit Lobliedern für den Morgen besingen wir den Sonnenaufgang, den wir dann wenig später auf dem Weg nach Amorbach erleben. In den kalten Morgenstunden verebben die Gespräche zu oft wortkargen Kommentaren. Das Gehen zieht sich in die Länge und manchen drückt der Schuh oder es zwickt im Knie.
Willkommen zurück! Kaffeeduft erfüllt das Foyer der Martin-Luther- Kirche. Das Frühstück auf der Kirchenterrasse fällt sehr reichlich und vielfältig aus – nur das Aufstehen von den Bänken um zum Bufett zu gelangen fällt immer schwerer. Den Abschluss der Pilgernacht feiern wir mit einem sehr stimmungsvollen und emotional bewegenden Abendmahl im Kreis um den Altar.

Roland Schule, Neckarsulm, Ehrenamtlicher Mitarbeiter der Pilgernacht

Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?

  • Sehr gut (1)
  • Gut (11)
  • Geht so (7)
  • Gar nicht (0)

, , ,

Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar