Die Tasche bleibt künftig zuhause. Der Ruhestand beginnt. Gut dran, wer gut gehen konnte!

Gut gegangen

Heute war mein letzter Arbeitstag. Ab morgen bin ich Rentner. Die Büro-Aktentasche bleibt künftig stehen. In mir breitet sich ein wohliges Gefühl aus – eine Melange aus erleichtertem Aufatmen, stillem Jubel und Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt, der jetzt beginnt.

45 Berufsjahre liegen hinter mir. Gute, weniger gute und auch schlechte Jahre. Doch insgesamt ist bei mir auf diesem Lebensfeld alles gut gegangen. „Gut gegangen“ – das deute ich noch auf eine weitere Art: Ich bin „gut gegangen“, durfte mich auf gute Art verabschieden und gehen! Und mir ist sehr bewusst, dass dies heute keine Selbstverständlichkeit ist. Ich kenne viele Männer, die nicht gut gehen konnten:

  • Weil sie wegen plötzlicher Krankheit oder Burnout rasch ausscheiden mussten.
  • Weil sie als ältere Arbeitnehmer nicht mehr geschätzt wurden und man ihnen das Leben schwer machte.
  • Weil sie wegen Umstrukturierungen auf einmal entbehrlich wurden und alles verloren, was ihnen einmal viel bedeutete.
  • Weil sie selbst mit dem Ende der Berufszeit und dem Übergang in den Ruhestand haderten – denn Arbeit war ihr Leben.

Ich durfte im Guten gehen. Dafür bin ich heute sehr dankbar. Noch einmal wurde mir Wertschätzung zuteil, das Geleistete wurde gesehen und gewürdigt. Eine Nachfolgelösung, wenn auch auf den letzten Drücker, konnte gefunden werden. Und ich bekam die Chance, noch ein wenig von dem an Jüngere weitergeben zu können, was ich mir erarbeitet hatte.

Gut gegangen. Und darum vertraue ich darauf, dass auch mein neues Leben ebenfalls gelingen wird. Und danke Gott!

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3 Kommentare zu Gut gegangen

  1. Ulf von Quillfeldt 27. Juli 2016 um 11:36 #

    Lieber Hans,
    dann möchte ich dir an deinem ersten „Ruhestandstag“ weiterhin gutes Unterwegs-Sein wünschen ! Ich nehme an, du wirst uns an dem einen oder anderen Weg, den du nun gehst, teilhaben lassen. Alles Gute also auf deinen weiteren Wegen !

  2. Stephan Burghardt 27. Juli 2016 um 16:34 #

    Hallo Hans

    du hast viel geleistet, 45 Berufsjahre lang, vom Lehrling bis jetzt zu deiner letzten Stelle als verantwortlicher Fundraiser, vermutlich immer 100%. Dies hast du durchgehalten, herzlichen Glückwunsch dafür von mir. Diese in vielen Männerbiografien vorfindliche (Familien)Leistung wird oft nicht gesehen und gewürdigt, Teilzeit ist angenehmer und einfacher.
    Dein letzter Satz ist gut … und danke Gott!
    Dies wird von uns Männer selber oft leider nicht so gesehen, dass es nicht nur wir selber sind, die so etwas durchhalten (können). Wenn man „tiefer“ schaut, würde Mann es erkennen. Uns Männern, wenn wir uns als christlich bezeichnen, tut eine Dankbarkeitskultur, eine männliche Dankbarkeitsspiritualität gut und diese sollte in der Kirche bzw. im emnw gelebt werden. Dies wäre etwas Neues zur seitherigen „Normaltheologie“ das für Männer deshalb interessant sein könnte, weil ihr reales Leben darin vorkommt. „Mann sollte, … müsste, …“ ist zwischenzeitlich hinlänglich bekannt. Was aber sind meine seitherigen Stationen einer spirituellen Lebensdankbarkeit? Und wie werden sie begangen – privat, im vertrauten Kreis unter Männern und öffentlich im Gottesdienst?

  3. Hans Kahlau 28. Juli 2016 um 22:57 #

    Danke Stephan für deine wohlwollende Rückmeldung.
    Etwas will ich richtig stellen: Die letzten gut fast 20 Jahre habe ich maximal immer nur 80% Teilzeit gearbeitet. Und für mich war das gut und stimmig so. So blieb etwas mehr Zeit für die Familie und auch für andere Interessen oder Tätigkeiten. Meiner Gesundheit war das ebenfalls nicht abträglich. Allerdings musste ich mit den Einkommenseinbußen klar kommen und mich gegenüber anderen sicher hier und da einschränken. Doch die gewonnene Lebensqualität war mir wichtiger. Ob ich meine Arbeit mit 100% überhaupt so gut durchgestanden hätte, ist fraglich.

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