Haben ist besser als brauchen?

Neulich, bei einer Hochzeit, gab es für die Kinder viele Spielgeräte auf der Wiese, u. a. solche kleine Spiel-Straßenhütchen, ca. 16 Stück. Meine Enkelin, 3 Jahre alt, ging mit ca. 6 Hüten auf dem Arm und mürrischem Blick über die Wiese. Ich hielte sie an und fragt, ob wir mit den Hüten etwas spielen sollen. „Nein“ sagte sie. Dies war mir unverständlich, spielt sie sonst immer sehr gerne und kreativ. „Warum“ fragte ich sie? Sie deutete mit der freien Hand auf einen Jungen, der ca. 10 gleiche Hütchen gerade im Kreis auf die Wiese stellte. „Der hat mehr als ich“ war ihre Antwort. Wahnsinn, oder? „Haben ist besser als brauchen“ fällt mir dazu nur ein.
Dass viele Männer (und Frauen) dieses Spiel bis ins hohe Alter nicht verlernt haben ist leider eine traurige Tatsache wenn man sich so umschaut, mit was sie sich umgeben, was so im Haus und Haushalt alles vorhanden ist … Aber dass Kinder in diesem Alter auch schon so drauf sind? Liegt es in den Genen der menschlichen Rasse, egal in welcher Kultur man aufgewachsen ist? Ist es ein Teil des Selbsterhaltungstriebes? Ist jeder/jede so gestrickt und muss erst durch Erziehung bzw. durch kulturelle und/oder religiösen Bildung positiv zu Solidarität und Teilen innerlich verändert werden? Wenn nicht, dann wird die Gesinnung schräg z. B. wie bei meiner Enkelin und das „Eigentliche“ rutscht aus dem Blick. Spielen, auch nur mit 6 Hütchen, wäre doch auch gegangen und schön gewesen.

Es braucht für uns Männer immer mal wieder Zeiten der Selbstbesinnung im Blick auf 2 Fragen, die letztlich religiöse Fragen sind:
Brauchen wir alles, was wir haben? Haben wir alles, was wir brauchen?
In Johannes 10, Vers 11 ist vermerkt: „Christus spricht: Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben.“

Übrigens: Einige Zeit später sah ich sie, gelassen und fröhlich, mit allen Hütchen auf dem Arm, über die Wiese laufen. Tja, …

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