Händeschütteln

Was ist das, was Sie hier im Ausschnitt sehen? Erraten Sie es? Nein, es ist nur bedingt ein Kunstwerk, es hat einen ganz praktischen Nutzen. Ich habe es ausprobiert, es funktioniert. Dazu aber später.
Wenn Mann jemandem zur Begrüßung oder zum Abschied die Hand gibt (was heute immer mehr aus der „Mode“ zu kommen scheint, nicht nur aus Angst sich im Winter an zu stecken), muss man nahe an diese andere Person heran gehen, auf Armlänge. Im Westen der Abstand, der allgemein als noch nicht zu nah und zu persönlich akzetiert ist. Man spürt die Beschaffenheit der Hand des anderen, seine Wärme, den Händedruck und es entsteht eine körperliche Nähe und eine erste „Beziehung“. Händeschütteln schafft Vertrauen, auch wenn der Andere mir zunächst noch fremd ist. Handschlag ist (war) Vertragsabschluss zwischen Geschäftsleuten, eine Vertrauenshandlung dass sich jeder an die Abmachungen hält. Eine Glaubenssache im säkularen Sinne. Im Handschlag begebe ich mich – Wort wörtlich – in die Hand des Anderen, gebe ich etwas von meiner Freiheit und Selbstbestimmung ab.
Wenn ich einen Groll gegen jemanden habe, vermeide ich diese Handlung, wenn es irgend möglich geht.
„Geben Sie mir die Hand“, will dieser Türöffner in Mailand sagen. Wenn man es tut und diese metallene Hand dreht, geht die Türe auf. Es funktioniert, auch wenn ich zunächst etwas gezögert habe. Irgendwie war es mir doch zu ungewöhnlich. Mann muss es wagen, dort hin zu greifen.
„Gib mir deine Hand, Wandrer durch die Zeiten, …“ so beginnt ein Kirchentagslied von Uwe Seidel aus dem Jahre 1987 auf die Melodie von Fritz Baltruweit. Gemeinsam kommt man voran, auch wenn es schwierig wird für den einen oder anderen, so der weitere Sinn des Liedes. Auch Männer brauchen solche Männer an ihrer Seite die mitgehen, wo gegenseitiges Vertrauen und Offenheit besteht. Schade, wenn Mann niemanden hat, der einem in diesem Sinne die Hand reicht. Es wäre dann an der Zeit, sich dringend nach jemandem dafür um zu schauen. „I am a rock, I am an Island“ wäre das männliche Gegen-Lebensmodell davon und sicher nicht erfolgreicher.
Das Lied endet mit den Zeilen: „Gib uns deine Hand, mein Gott, schütze unsere Seelen, damit wir nicht fehlen, gib uns deine Hand“. Mann muss es wagen, sich innerlich Gott in Jesus Christus zu öffnen, eine „Handreichung“ unsererseits sozusagen. Er wird diese ergreifen, da bin ich mir sicher.

Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?

  • Sehr gut (0)
  • Gut (1)
  • Geht so (1)
  • Gar nicht (1)

Ein Kommentar zu Händeschütteln

  1. ulrich thierhoff 24. November 2017 um 13:08 #

    Es gibt Kulturkreise in denen körperliche Nähe in der Kommunikation eher als Pflicht angesehen wird, und andere, in denen sie tendenziell als Belästigung empfunden wird.
    Für beide Arten des Umgangs gibt es Gründe.
    Ein Arzt, den ich sehr schätze, reicht grundsätzlich keinem Patienten die Hand; das irritiert beim ersten Besuch. Bei einer Ärztin werde ich genötigt, beim Betreten der Praxis meine Hände mit einem Desinfektionsmittel zu besprühen: das irritiert mich auch.
    Ich meine, das es wichtig ist, die Verschiedenheit der Charaktere zu respektieren. Die Vermutung, das Männer, die Wert auf einen Händedruck legen, grundsätzlich herzlicher mit anderen umgingen, ist irrig. Manchen Händedruck empfinde ich als herzlich, manch anderen eher als schmierig.
    Bei Deinem Beitrag, lieber Stephan, hättest Du m.E. auf die derzeitige Inflation von „sexuellen Belästigungen“ eingehen müssen. Ich bezweifle nicht, dass es Leute gibt, die sich solcher Belästigungen erwehren müssen. Dass man denen beistehen muss, ist keine Frage. Offenkundig ist aber auch, dass es zahlreiche Übertreibungen und mehr oder weniger frei erfundene Beschuldigungen gibt. Ein Grund für manchen Mann, auch mit dem warmem Händedruck sparsam umzugehen und die Umarmung mit Küsschen rechts und links zu vermeiden.
    Ich nutze die Gelegenheit dieses Kommentars alle Männer zur Solidarität mit zu Unrecht Beschuldigten aufzurufen und das Prinzip der Unschuldsvermutung in allen Verdachtsfällen hochzuhalten.
    Herzliche Grüße Ulrich Thierhoff

Schreibe einen Kommentar