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Immer wieder Freitags…

Zur Zeit wird heftig darüber diskutiert, ob das o.k. ist, was die Schülerinnen und Schüler am Freitagvormittag machen. Ob sie glaubwürdig sind, und ob es gerechtfertigt ist, für „Fridays for future“ die Schule ausfallen zu lassen und zu demonstrieren.

Ich bin damit einverstanden, dass die Schülerinnen und Schüler für ihre und unsere Zukunft demonstrieren. Zunächst haben mich die Statements der schwedischen Schülerin Greta Thunberg berührt. Und auch beschämt. Denn seit rund 50 Jahren – manche erinnern sich noch an „Die Grenzen des Wachstums“ eine Denkschrift der „Club of Rome“ – wissen wir, was zu tun ist, damit die Erde ein guter Lebensraum für alle Menschen, die auf ihr leben, werden und bleiben kann. Und wir wissen vor allem, was die Industriegesellschaften dazu beitragen müssen. Und was ist seit dem passiert?
Die Autos sind mehr, und immer größer und schwerer geworden. Das hat die relativ gewachsene Sparsamkeit der Motortechnik längst zunichtegemacht. Und wir – auch hier im Ländle – bauen unseren Wohlstand auf den Verkauf von 6-, 8- und Mehrzylinderboliden in die aufstrebenden Industrienationen, die – zurecht! – auch  ihren Teil vom Wohlstandskuchen wollen. Flugreisen zum persönlichen Vergnügen sind für die meisten von uns zum regelmäßigen Normalfall geworden. Kreuzfahrten mit schwerölbetriebenen Dreckschleudern ebenfalls. Die Bewohner von Hafenstädten ächzen mittlerweile unter der täglich einfallenden Touristenflut.

Mich juckt das Ganze auch, weil ich Kinder habe und Enkel. Wenn es gut geht, werden letztere auch die nächste Jahrhundertwende miterleben. Und ich frage mich, in was für einer Welt die dann wohl leben werden?

Wenn – und so verstehe ich Immanuel Kants „Kategorischen Imperativ“ – der Maßstab unseres persönlichen Handelns so aufgestellt sein sollte, dass wir ihn auch allen Mitmenschen auf diesem Planeten als Maßstab empfehlen bzw. zugestehen können, dann müssen wir hier bei uns vieles verändern.
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“,
heißt das z.B. bei Kant. Das ist ein hoher Anspruch. Die populäre Fassung lautet: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem Andern zu!“  Oder „Liebe Deinen Nächsten, wie Du Dich selbst liebst!“

Und die Schüler bringen das auf den Punkt!
Ich hoffe, dass die Lehrer diese Impulse aufgreifen: In Geschichte, Volkswirtschaft, Erdkunde, Gemeinschaftskunde, Physik, Chemie, Religion, Ethik und anderen Unterrichtsfächern fallen mir sofort Themengebiete ein, in denen die Fragen, Anliegen und auch die gestalterische Energie, die die Schüler*innen derzeit bewegen, ernstgenommen und in Lernprozesse geformt werden können.

Auch wenn Rentner*innen, Pensionär*innen nicht mehr so viel eigene „Future“ hier auf dieser Erde haben, hoffe ich, dass sich bald die „Rentner*innen und Pensionär*innen for Future“ in größerer Anzahl an die Seite der Schüler stellen. denn die haben Zeit. Eltern waren ja auch schon einige dabei. Und weil wir hier auf einem Männer-Blog sind: „Fathers for Future“ klingt eigentlich auch nicht schlecht!

Und eins noch: Neben der Politik müssen endlich auch das Verhalten von Unternehmen und Konzernen auf den Prüfstand und in den Fokus der Kritik kommen. Zu oft reizen diese die Grenzen des rechtlich möglichen maximal aus, statt selber ethisch verantwortlich zu wirtschaften. Wenn Politik(er*innen) nur immer der Wirtschaft hinterher laufen müssen um Schlimmeres zu verhüten, wird das nichts mit unserer Zukunft.

Und, wie schon angedeutet: Ich finde jede und jeder sollte sich auch an der eigenen Nase fassen, und den eigenen „Fußabdruck“ verringern.

Nicht nur Freitags.

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Ein Kommentar zu Immer wieder Freitags…

  1. Avatar
    Ulrich Thierhoff 29. März 2019 um 18:25 #

    Ohne Zweifel ist das Thema Klimaschutz absolut wichtig und es ist notwendig darüber immer wieder zu diskutieren. Noch wichtiger ist aber, das eigene Verhalten gegenüber der Umwelt zu optimieren.
    Das Anprangern des Verhaltens der Klimasünder sollte unbedingt ohne Schreckgespenster auskommen. Der „Club of Rome“ hat längst seine Reputation verloren. Er hat in den Siebzigerjahren vorausgesagt, dass alle Erdölreserven der Erde im Jahr 2000, spätestens in 2010, aufgebraucht wären. Eine gut gemeinte Warnung – aber absolut unseriös und völlig falsch.
    Wir sollten uns nicht wundern, wenn heute andere Vorhersagen – z.B. über den Anstieg des Meeresspiegels, das Schmelzen der Gletscher oder die Verknappung des Trinkwassers nicht ernst genommen werden, zumal wenn sie von Einigen offenbar bewusst und gewollt in populistischer Weise verbreitet werden.
    Den Schülern muss man deutlich sagen, dass es zwar richtig ist, sich um unser Klima Sorgen zu machen, aber falsch, dafür die Schule zu schwänzen. Die nächste Generation ist – mehr noch als unsere – auf eine gute Schulbildung angewiesen. Deshalb darf die Schulpflicht auf keinen Fall gelockert werden. (Man kann ja auch samstags demonstrieren !)
    Ulrich Thierhoff

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