Jagt dem Frieden nach

„Jagt dem Frieden nach.“ Haben die Evangelischen Kirchen als Losung ausgegeben für das Jahr 2019.
„Jagt dem Frieden nach.“ Mmmh. Wie macht man das, als Mann, dem Frieden nachjagen? Auf uns Männer konzentriere ich mich, weil Frauen machen sich bestimmt ihren eigenen Kopf dazu. Für die Antwort halte ich mich an 2 Männer. Die haben mich Ende letzten Jahres sehr beeindruckt. Der eine ist Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger, der andere Alexander Gerst, ehm. Kommandant auf der ISS.

Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger und Arzt aus dem Kongo. Er operiert und behandelt Frauen, die von Männern vergewaltigt und verstümmelt worden sind. Dem Frieden nachjagen bedeutet für ihn als Christ: „Wir haben die Wahl. Ob wir Gewalt gegen Frauen stoppen. Wir haben die Wahl, ob wir eine positive Männlichkeit schaffen, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt, im Frieden wie in Kriegszeiten“ sagt Denis Mukwege. „Positive Männlichkeit“ schaffen, das ist dem Frieden nachjagen. Weil die Frauen, die so zu ihm ins Krankenhaus kommen, „Produkte“ sind von „Männlichkeit“. Aber einer negativen. Es ist üblich, was da als männlich gilt. Da fühlt sich Mann als Mann, wenn er stark ist, andere erniedrigt, Gewalt übt. Aber Denis Mukwege meint: Erniedrigen und zerstören ist unmännlich. Und unchristlich. Männlich ist Leben aufbauen, heilen. Männlich sein heißt, dem Leben dienen.

Alexander Gerst ist für mich auch einer, der dem Frieden nachjagt: In seiner Botschaft an die ungeborenen Enkel. Gesendet letzten November von der ISS, 400km hoch über der Erde. „Im Moment sieht es so aus, dass ich mich bei Euch entschuldigen muss“ hat Gerst gesagt. „Weil wir, meine Generation, Euch den Planeten nicht im besten Zustand hinterlassen werden. …Es ist uns bewusst, dass wir den Planeten mit Co2 verpesten. Dass wir zum Großteil sinnlose Kriege führen. Ich hoffe sehr für Euch, dass wir die Kurve kriegen. Hoffentlich lernen wir noch dazu: Dass das zerbrechliche Raumschiff Erde viel kleiner ist, als die meisten Menschen sich das vorstellen können. Dass es sich lohnt mit seinen Nachbarn gut auszukommen…Das einzige, was mir bleibt, Eure Zukunft möglich zu machen und zwar die beste, die ich mir vorstellen kann. (Abschrift aus ESA Video).

Wie jagt man als Mann dem Frieden nach? „Positive Männlichkeit schaffen und enkeltauglich leben.“ Vielleicht kann man so kurz und knapp zusammenfassen, was die zwei meinen. Ein toughes Programm für uns Männer. Aber die Frauen und die Enkel hätten es verdient, finden Sie nicht?

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche, in SWR 1 Anstoß, vom 8.1.2019

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2 Kommentare zu Jagt dem Frieden nach

  1. Avatar
    Miguel 8. Januar 2019 um 19:12 #

    Zu der Aussage von Alexander Gerst: Wenn jeder Mensch zweimal ins Weltall fliegen müsste, um zu dieser Erkenntnis zu kommen… (die Rakete hat eine Treibstoffverbrauch von ca. 80.000 kg Kerosin – so viel, wie ein Jumbo-Jet für einen Transatlantikflug verbraucht!!!)

  2. Avatar
    Sieghart Seith 19. Januar 2019 um 10:20 #

    Interessant, dass sowohl die Zustimmungen als auch die Ablehnungen (bei der obigen Bewertung) soweit ausschlagen – weit nach links und weit nach rechts. Woran liegt das?

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