„Lieber Jörg Zink , vielen Dank …“

Am 9. September 2016 verstarb der bekannte evangelische Theologe und Bestseller-Autor Jörg Zink im Alter von 93 Jahren in Stuttgart. Unser Blog-Autor Ulf von Quillfeldt durfte Jörg Zink persönlich kennenlernen und verabschiedet sich in diesem Beitrag von einem Mann, der für ihn in mancher Zeit wie ein Vater war:

Jörg Zink war ein Mann des offenen und des öffentlichen Wortes. Darum  denke ich,  ist er einverstanden , wenn ich ihm meinen Dank  – posthum – in einem  „offenen Brief“  schreibe.

„Lieber  Jörg  Zink, zunächst sind mir die Tage beim Frühstückstisch die Tränen gelaufen. Meine Lebensgefährtin  (sie war bei deinem 80 Geburtstag eingeladen)  erzählte mir , was sie gerade in einem Rundfunk Nachruf von Dir erfahren hatte. Dass Du mit großer Gewissheit davon ausgehst, dass „Dort“ , wohin Du gerade unterwegs bist , viele Aufgaben auf Dich warten …  Ich fühle mich Dir so nah, dass ich  um Zustimmung bitte ,dass ich hier – das vertrauliche ‚Du‘ verwende.

Es ist nun schon wieder einige Jahre her, dass ich Deine Stimme auf dem Anrufbeantworter hatte. Ich war sehr gerührt davon, denn Deine sonst so kraftvolle  Stimme zitterte merklich. Nachtschichtpfarrer Ralf Vogel war bekannt, dass Du vor nun  knapp  40 Jahren mein Chef auf der von Dir mitgegründeten Jugendfarm warst. Ralf Vogel hatte mich deshalb gebeten, bei Dir nachzufragen, ob Du bereit sein würdest, als Gesprächsgast nach Stuttgart-Obertürkheim zu kommen.  Deine Antwort: „ Lieber Ulf von Quillfeldt, natürlich kann ich mich gut an Sie erinnern … Bitte haben Sie aber Verständnis, dass ich nicht mehr allen Anfragen nachkommen kann …“

Mein heutiger Dank bezieht sich vor allem darauf,  dass ich auf der Jugendfarm, nach schwerer Erkrankung mit mehrmonatigem Klinikaufenthalt, meine Berufsausbildung als Sozialpädagoge abschließen konnte. Dank für die  Jahre auf der Stuttgarter „Haldenwiese“. Du  hast es Dir trotz vielfältiger Verpflichtung nicht nehmen lassen, bei den wöchentlichen Teamsitzungen dabei  zu sein.  Du hattest damals einen vorbildhaften, naturnahen Lebensraum für Kinder und Jugendliche geschaffen, vom dem auch ich sehr profitieren konnte. Dort wurde gefestigt, was mir instinktiv in der pädagogischen Arbeit  nahe lag. Auf gleicher Augenhöhe, ohne Verwischung der Verantwortlichkeit, gemeinsam neugierig die Welt zu erforschen, Dinge zu erproben, Haltbarkeiten zu testen, auch  Neues und Riskantes zu wagen. Diese  so wertvollen Erfahrungen sind mir, vor gar nicht langer Zeit, wieder hell ins Bewusstsein gerückt.

Der evangelische Landesmännerpfarrer Markus Herb ermunterte im Biografie-Workshop zu gründlicher Spurensuche.  Und da ist mir sehr deutlich geworden , wie sehr mich die Jugendfarmzeit  geprägt hat und welch tiefen Eindruck Deine Ausstrahlung bei mir hinterlassen hat. Zur Formulierung meines Arbeitszeugnisses hattest Du mich in Dein Arbeitszimmer eingeladen.  Selbst das ein unvergesslicher Eindruck. Die endlosen Reihen der Diakästen, der sorgfältig aufgeräumte Schreibtisch daneben …  Unbändige Schaffenskraft, gepaart mit  hoher Achtsamkeit . Ich bin ohne väterliches Vorbild aufgewachsen,  das schuf einen Sehnsuchtsraum, in den habe ich Dich nur zu gerne eingelassen….

Ich habe gelesen, dass Du gerne am frühen Morgen geschrieben hast , bereits ein Pensum erledigt hattest, bevor Frau und Kinder aufgestanden sind.  Ich weiß nun nicht wie es „Dort“ zugeht. Aber ich bin sicher, dass Du auch „Dort“ einen guten Weg findest. Vielen Dank für alles.

Ganz herzlich

Ulf von Quillfeldt“

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