Tilman-kl

LOKAL, ZUGEWANDT UND UNTER FREIEM HIMMEL – Zeit der kleinen Sprünge

Die Gefahr der unkontrollierten Ausbreitung von Covid 19 führt seit über einem halben Jahr dazu, dass Gemeinschaftserlebnisse, sei es beim aktiven Sport und im Stadion, kulturelle Veranstaltungen, wie Theater, Konzerte, Feste und Partys, aber auch feierliche Gottesdienste, Demonstrationen oder politische Kundgebungen ausfallen. Das soziale Miteinander und auch Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und Beziehungen zu pflegen, beschränken sich auf Arbeit, Familie und Nachbarn, oder werden, mit Hilfe unterschiedlicher Medien, in virtuelle Räume verlegt.

Manches gelingt dabei ganz gut, und viele kommen auch gut im „online“ und im „home office“ klar. Aber es wird deutlich dass eine wachsende Zahl an Menschen unter dem Verlust an lebendigen, analogen Beziehungen und Gemeinschaftserlebnissen leiden. Das häufige Alleinsein und die vielfältige Einschränkung gewohnter Gemeinschaftserlebnisse führt zunehmend zur Vereinsamung.

Die gute Nachricht ist: Wir Männer haben durchaus ein Talent dafür, alleine zu sein:
Wer über „kontemplative Kompetenzen“ verfügt, kommt besser mit sich selber klar, kann Stille ertragen und genießen, er kann die derzeit notwendige Distanz zu anderen Menschen und Gruppen leichter hinnehmen und der vorübergehende Verzicht auf Geselliges und größere Gemeinschaftserlebnisse (Sportveranstaltungen, Konzerte, Diskotheken, Volksfeste, Messen, Weihnachtsmärkte  etc.) ist für ihn kein großes Problem. Häufiger alleine unterwegs zu sein, oder zuhause, mit Büchern, Internet und anderen Medien, ist für viele Männer gut machbar. Und manche haben das – insbesondere zu Beginn des Lockdown als Kontrasterfahrung – sogar richtig genossen.

Aber es gibt auch die Kehrseite:
Viele Männer fühlen sich in der derzeitigen Situation, ohne die größeren und kleineren sozialen Events und Treffen, zunehmend einsamer. Was zunächst nur vorübergehend schien wird langsam zum Dauerzustand. Für viele wird das Alleinsein zur Last, womöglich zu einer Bedrohung. Und als Folge davon verstärken sich Ängste, Tunnelblick, depressive Stimmungen, Suchtverhalten und Gewalttendenzen (entweder gegen sich selber, oder gegen andere).

In einer Zeit, in der große Sprünge  nicht möglich sind, kommen wir weiter, indem wir locker bleiben und kleine, vielleicht ungewohnte, Sprünge entwickeln:
Neben – und auch wegen – vielfältigen Entwicklungen im online-Sektor, fordert uns die Situation jetzt dazu heraus, im nahen Umfeld, im Dorf, im Stadtteil, im Wohnquartier, an der Bushaltestelle und im Kollegenkreis wach zu sein. Dafür achtsamer zu werden, wo Männer Gefahr laufen, in die Einsamkeit zu rutschen. Oft denken wir dabei an ältere, allein stehende Männer, deren Familie oder Freunde nicht gleich ums Eck wohnen. Aber es gibt in allen Altersgruppen Männer, die unter Einsamkeit leiden und dadurch sucht- bzw. suizidgefährdet sind.

Manchmal reicht es, einfach mal stehen zu bleiben, um ins Gespräch zu kommen. Bus- und Bahnhaltestellen sind dafür gute Orte. Auch die Warteschlange vor einem Geschäft, dem Friseur oder beim Wertstoffhof, kann die Gelegenheit für einen ersten lockeren Kontakt sein.

Spaziergänge, Wanderungen und Pilgerwege in kleiner Runde können unter freiem Himmel Räume schaffen, in denen Männer ohne große Ansteckungsgefahr im Gespräch sind.

Gemeinsames Joggen, Walken oder Radeln, Bewegungs- und Entspannungsangebote, wie Yoga, Thai Chi oder Gymnastik – nach Möglichkeit unter freiem Himmel – können  Gelegenheiten sein, auch vom Lebens anderer Männer etwas mit zu bekommen und Kontakte darüber hinaus zu knüpfen.

Das sind alles keine Riesendinger. Es sind die kleinen Dinge, die in diesen Tagen sehr zu Mitmenschlichkeit, Lebensqualität und seelischer Gesundheit beitragen. Wenn wir das verstehen, und dabei unsere MitMänner in den Blick bekommen, kommen wir in diesen Tagen weiter.

Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?

  • Sehr gut (4)
  • Gut (7)
  • Geht so (0)
  • Gar nicht (0)

, , , , , , , ,

Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar