Männer im Schweigen

„Männer stehen ständig unter Strom, Männer baggern wie blöde…“

Wer kennt ihn nicht, den Song von Herbert Grönemeyer? Wir Männer sind aktiv, wollen was bewegen, packen es an, suchen Herausforderungen und Lösungen. Aber wollen wir das wirklich immer? Irgendwann muss der Akku ja wieder aufgeladen werden.
Jeder hat da wohl seine eigene Methode und mancher muss diese erst einmal und dabei sich selbst finden. Da ist eine Schweigewochenende für Männer nicht die schlechteste Variante.
Und so trafen sich an einem Wochenende in Februar eine kleine „Männergruppe“ um 44 Stunden – gemeinsam und alleine – zu schweigen. Lassen Sie mich den Ablauf kurz schildern: Am Anfang ging es sehr geschwätzig zu, Hallo hier und Hallo da, einige sind Wiederholungstäter, sehen sich nur bei dieser Gelegenheit und haben sich folglich viel zu erzählen.
Abends kehrte dann aber Ruhe ein, auch beim Essen, das schweigend eingenommen wird. Jetzt beginnt Mann sich mit sich selber zu beschäftigen. Später begann mit einem Abendimpuls eine gemeinsame stille Phase. Dieser wurde zu einer ersten, kleinen Herausforderung: Sollen meine Gedanken den Impuls aufgreifen – oder zur Ruhe kommen? Wie zur Ruhe kommen wenn der Nachbar gleich einschläft oder laut atmet und der eigene Bauch laut grummelt? Dies musste also erst mal aktiv angepackt werden: Das Loslassen von Gedanken,  das ignorieren von Geräuschen aller Art. Wie das laute Kreischen der Motorsäge am nächsten Tag beim Schweige-Spaziergang im Wald. Hier kam in mir komischerweise das Gefühl hinzu, ein Müßiggänger zu sein, während andere Leute produktiv schaffen. Sie kennen das vielleicht auch, das leicht schlechte Gewissen, wenn man selber dem Nichtstun frönt, während andere arbeiten. Dabei bin ich doch auch in dieser Auszeit produktiv, weil ich so meinen inneren Aku wieder auflade, der mir dann in nächster Zeit die Kraft geben soll, gut weiter zu machen im Beruf, der Familie, im Ehrenamt und wo auch immer. Immer mal wieder heraus aus dem „ständig unter Strom stehen, aus dem baggern wie blöde“ ist eine aktive Entscheidung und Handlung, damit am Ende Mann nicht dem „burn out“ anheim fällt. Dass auch in dieser Schweigezeit mir immer mal wieder eingefallen ist, was noch zu tun wäre, was man noch verändern könnte, wie es besser laufen könnte, was schon längst als erledigt von der To-do-Liste hätte verschwinden sollen, will ich nicht verheimlichen. Aufgeschrieben auf einen Zettel, damit ich es nicht vergesse, kann man dies alles dann aber in Ruhe lassen ohne schlechtes Gewissen.
So waren wir uns am Ende dieses Wochenendes alle einig: Männer im Schweigen lädt den inneren  Akku wieder auf – auch den des Glaubens, weil dieser in diesen Tagen Raum und Zeit hatte, weil das Alltägliche weggerückt ist. Ich will nächstes Jahr wieder mit dabei sein – und Sie?

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