Manchmal, ja manchmal …

co – S. Burghardt

Nach Ostern war ich in Mailand. Klar, Mailänder Dom muss sein, auch wenn der Eintritt-Ticketerwerb sich lange hinzog. Auf dem Platz davor, nicht nur aus Sicherheitsgründen, verschiedene Polizisten u. a. mit diesem „Gerät“. Kaum zu glauben. Der dabeistehende Polizist öffnete dann und wann auf Wunsch der staunenden Männer die Fahrertüre. Was für eine Wucht an Innenausstattung. Jeden Porsche würde man dagegen achtlos links liegen lassen. Das können die Italiener gut, bella figura, nicht nur beim persönlichen outift. So viel Eleganz, so viel Stärke, solche Schlappen, dieses Design. Hätte sofort Lust gehabt, da mal ‘ne Runde zu drehen, selber natürlich, bei freier Autobahn natürlich ohne Geschwindigkeitsbegrenzung natürlich. Früher, bei meinen Spielzeugautos, wollte ich immer eines haben mit „zwei Gas und keiner Bremse“. Manchmal, ja manchmal  ist es wieder da, das „Kind im Manne“, geht es Ihnen auch so? Obwohl solch ein Lamborghini  natürlich sinnlos ist nach erwachsenen Gesichtspunkten: Zu laut, zu unbequem, man kommt kaum rein und raus (zu niedrig), zu schnell, einen zu hohen Spritverbrauch – für den vielen Verkehr in Italien völlig sinnlos übermotorisiert. Und auch zu gefährlich: Ein kleiner Fahrfehler – und tschüß.

Und trotzdem: Das „Kind im Manne“ war begeistert, obwohl ich natürlich nicht fahren durfte/konnte. Vergangene Sehnsüchte waren wach geworden und haben sich –nach einer Zeit des hinterherspürens – auch wieder gelegt. Ein schöner Moment war es trotzdem, vor allem so überraschend. Vielleicht ist dies ähnlich wie bei Männern die, wenn sie alleine in der Natur (Schöpfung) unterwegs sind, einen Moment der Ahnung Gottes haben. Das „Kind im Manne“ suchte Gott damals, und sucht ihn immer wieder auch heute bzw. hat Sehnsucht nach ihm, auch wenn wir schon lange selber stark und erwachsen sind. Er hat eben doch noch andere Möglichkeiten die uns fehlen, die wir manchmal brauchen könnten, nur für ein paar Momente, wenn wir überrascht sind über bestimmte Ereignisse, Schicksale, Lebenswendungen, wenn wir merken, alleine das Mannsein und das stehen in der Welt ist nicht genug. Ich will meiner seit Kindertagen vorhandenen Gottessehnsucht immer mal wieder Raum geben, morgens und abends, an Sonn- und Feiertagen (dafür sind sie ja da), beim unterwegssein alleine. Mann braucht sich weder vor sich  – noch vor anderen – deshalb zu schämen. Im Gegenteil. Der Lamborghini vor dem Dom schämt sich ja auch nicht.

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