Als Mannsbild sind wir keine Maschine, sondern ein Wesen mit Körper, Seele und Geist.

Man(n) funktioniert eben!?

Eine Skulptur aus Stein (siehe Foto), vor wenigen Tagen auf einer Strandpromenade an der Costa del Sol entdeckt, inspirierte mich zu diesem Beitrag. Zu sehen ist zunächst ein grauer männlicher Torso – zweifellos ein prachtvolles Mannsbild! Doch auf den zweiten Blick irritiert der Künstler den Betrachter: Die Brustwarzen sind Schrauben und der Bauchnabel ist eine Schraubenmutter! Mich erreicht diese bewusste Verfremdung unmittelbar. Und ich deute sie als Hinweis auf einer Seite von uns Männern, die ich von mir selbst gut kenne und auch bei anderen Männern oft beobachten konnte: Häufig betrachten wir uns nämlich selbst und unseren Körper eher funktional – wie eine Maschine, die einfach zu laufen hat. Und wenn sie schwächelt, dann muss man eben Öl nachfüllen, daran herumschrauben oder notfalls Teile austauschen, fertig!

Doch wenn wir aufmerksamer leben, erkennen wir bald, dass unser menschlicher Körper kein Apparat ist. Vielmehr sind wir als ganzer Mann ein höchst komplexes Wesen. Körper, Seele und Geist wirken dabei ineinander. Ein geschwächter Leib beeinflusst uns seelisch. Seelische Not wiederum kann unseren Körper und Geist beeinträchtigen. Und ungesunde Nahrung – ob im wörtlichen oder im „geistig-geistlichen“ Sinne – tut auf Dauer weder der Seele noch dem Leib gut. Mediziner und Psychotherapeuten sprechen von Psychosomatik und meinen damit die gegenseitige Bezogenheit von Seele (Psyche) und Körper (Soma). Auf den Punkt gebracht hat es einmal einer meiner Gestalttherapie-Ausbilder, als es um Rückenbeschwerden ging: „Ein Bandscheibenvorfall ist eben auch ein Vorfall“. Er wollte uns damit sagen, es lohnt sich, darüber nachzudenken, was möglicherweise vorgefallen ist, bevor es zu einer Krankheit kam. Also der Frage Raum zu geben: Wie gestalte ich mein Leben – und wir wirkt sich das auf meine seelische und körperlich Gesundheit aus?

Gerade wir Männer, die wir oft meinen, einfach immer weiter funktionieren zu müssen, sollten ab und zu innehalten, nach Innen lauschen, um nachzuspüren, wie es uns denn eigentlich gerade wirklich geht. In Männergruppen ist das Folgende eine bewährte (meist von einem der Männer angeleitete) Übung:

Schließe die Augen, komm’ zur Ruhe, lass deinen Atem fließen. Und spüre dann in deinen Körper hinein: Wo ist gerade Spannung? Wo vielleicht Schmerz oder Druck? Und weiter: Wie fühlst du dich momentan? Welche Empfindungen steigen hoch? Nimm das alles einfach wahr: So ist es im Augenblick, dies oder jenes melden dir dein Körper, deine Seele zurück. Lass die Eindrücke einen Moment auf dich wirken – ganz ohne Wertung. Du musst nichts daran ändern, es ist, wie es ist. Schließlich versuche, dahin zu atmen, wo es Dir momentan gut tut, um dich mit jedem Ausatmen ein wenig mehr zu entspannen, soweit es möglich ist. Dann gönne dir zum Schluss einen tiefen Atemzug, öffne die Augen, recke und strecke dich – und komme wieder im Raum, in der Gruppe an.

Die Erfahrung zeigt: Nach einer solchen Übung ist eine Präsenz, mitfühlende Achtsamkeit und Wertschätzung im Raum, die vorher nicht da war! Wir Männer müssen nun nicht weiter funktionieren, wir dürfen da sein, wie wir sind!

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Ein Kommentar zu Man(n) funktioniert eben!?

  1. Stephan Schneller 28. April 2016 um 16:43 #

    Danke dir Hans für deine guten Gedanken.

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