Mann und Frau unterwegs – ein Resümee

12 Tage Urlaub – davon 10 Tage gemeinsames radeln, meine Frau und ich, zum ersten Mal solch eine lange Strecke. Oben, ab Brennerpass, runter nach Franzensfeste (ein super Radweg), dann links weg ins Pustertal über Bruneck, hoch nach Toblach und dann die Drau in Flussrichtung entlang, bis ins slovenische Ptuj über Lienz, Spittal, Villach, Klagenfurth, Maribor, meist auf Teerradwegen, gut ausgeschildert, den Fluss links oder rechts als Begleiter, meist bei gutem Wetter, ca. 700 km, weil es dann auch noch nach Graz ging, den Murradweg aufwärts. Sie mit E-Unterstützung, ich ohne. Was waren, außer der sportlichen Herausforderung, die emotionalen Herausforderungen im Miteinander?
Wie stellt man sich im Blick auf die Geschwindigkeit aufeinander ein? Abwärts und auf der Ebene hatte ich die „Nase vorne“, den Berg hinauf sie.
Wer ist der „guide“ und sagt, wo es lang geht, wenn der Weg abbiegt und die Ausschilderung nicht so ganz klar war?
Was redet man die ganze Zeit mieinander, in der Pause, am Abend, beim Essen und Kaffeetrinken (ab und zu musste auch der Aku unter tags nachgeladen werden und verhalf uns so zu einer Zwangspause)? Man konnte sich ja nicht aus dem Weg gehen, weder beim radeln, noch beim Stadtbummel, noch beim essen und schlafen. Viel permanente Nähe war auszuhalten und zu gestalten, anders als in der Ferienwohnung am Strand.
Wie werden Weg-Fehlentscheidungen besprochen, wie unterschiedliche Unterkunfts- und Aufenthaltswünsche zusammen gebracht? Es war nichts vorgebucht, alles musste vor Ort entschieden werden und war manchmal nicht so einfach, weil Ende August/Anfang September viel los war.
Das „Wechselbad der Gefühle“ dauerte die ganze Zeit an: Einmal sehr nah und vertraut, liebevoll, an einem anderen Tag distanziert und kühl. Fazit: Auch nach über 30 Jahre Ehe geht beiden dies alles nicht so leicht von der Hand. Ich hatte es mir einfacher vorgestellt, Urlaub eben, alles easy, ohne in die jeweiligen alten Rollenmuster zu verfallen. Nein, easy war es nicht, aber trotzdem wertvoll – mit vielen guten Erinnerungen, nicht nur an die schöne Gegend und das intensive Erleben von Südtirol, Kärnten, Slovenien und Steiermark. Es wird so etwas sicher wieder geben mit uns beiden, mit anderen Erwartungen und mehr Fähigkeiten, das Miteinander anders zu gestalten. Denn so zu reisen war lehrreich – und wir waren von Gott behütet. Aber vielleicht machen wir nächstes Jahr trotzdem erst einmal einen Strandurlaub am Meer, im Ferienhaus.

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