“Marge, das Telefon klingelt“

Unsterblich die Szene in der Homer Simpson auf dem Sofa liegt. In Armeslänge entfernt klingelt das Telefon. Anstatt das Ding abzuheben und mitzumachen im Spiel des Lebens ruft er Richtung Küche: „Marge, das Telefon klingelt!“
Was wie Satire rüberkommt, lebt mancher Mensch wirklich – lieber nicht rangehen – bei allem, was ein bisschen Einsatz kostet. Klar, der Beruf, der Stress, da will ich doch wenigstens in dem bisschen freier Zeit einfach entspannen, chillen, die Beine hochlegen und Richtung Küche rufen: „Marge, das Telefon klingelt!“
Klar, abheben heißt rangehen. Haben wir das nicht vielfach schon hinter uns? Meistens ist doch die Partnerschaft (die erste oder auch schon die zweite) langfristig geregelt. Wo ich wohne, wo ich arbeite, ist vielfach eingespurt und eingepasst. Das hat ja auch was. Ich bin froh, dass ich in nächster Zeit nicht wieder umziehen muss. Mir reichen 1988, 1991, 1994, 2000 und 2015 . (Nein, das sind natürlich nicht die WM-Titel von Deutschland. Das sind meine ganz persönlich-dienstlichen Umzugsjahre mit komplettem Haushalt!)
Aber: Den „Anruf“ des lebendigen Gottes, den will ich dann doch nicht verpassen. Und der kommt nicht nur in Höhepunkten und Tiefschlägen meines Lebens. Der kommt immer wieder, auch in Form der Bibel. Nein, ich bin nicht zwanghaft fromm. Im Gegenteil! Alles, was nicht dem Leben dient, was nicht das Leben steigert, was nicht im Leben in die Höhe und in die Tiefe führt, das kann eh nicht von diesem lebendigen Gott kommen. Ich werbe hier nicht für das Bibellesen, weil ich verkappt oder offensiv missionarisch sein wollte, sondern ich werbe dafür, weil diese Texte eine lebenssteigernde Kraft haben. Die biblischen Geschichten sagen mir nicht, „wie das Leben zu sehen ist“! Sie geben keine Definitionen und setzen keine Bekenntnisse voraus. Definitionen nämlich ziehen letzte Grenzen. Sie bedeuten ENDE (finis), Schluss der Diskussion. Die biblischen Texte hingegen machen das Gegenteil davon. Sie machen mir das Leben weit, sie laden mich ein, mitzukommen, neue Perspektiven zu finden, die für mich passen.

Ein Beispiel? Psalm 1. Ziemlich in der Mitte der Bibel, nicht so schwer zu finden, kann man auch ganz einfach googeln. Psalm 1 zeigt uns die Extreme die ein Mensch leben kann: Der völlig integre einerseits, dem Du Deine Kinder und den Code für Deine EC-Karte anvertrauen würdest. Und auf der anderen Seite der Übeltäter, der aber nicht nur übel tut, sondern dazu auch noch ein Spötter ist. Warum ist der Spötter der Schlimmste? Weil der Übeltäter anderen das Leben „nur“ ein Stück kaputter macht, der Spötter aber, ohne Not, mit böser Lust zersetzt und zerredet, was anderen wertvoll ist. Wir sind keiner von beiden. Aber wir sind dazwischen, zwischen diesen beiden Extremen. Heute eher der klare Mann, wie ein Baum, gestern ganz schön übel, ein Tag wie Spreu im Wind.
Die Bibel sagt nicht: Mach es so, sondern sie hilft mir zu entdecken, wer ich bin, vor den anderen, vor dem lebendigen Gott, vor mir selbst. In meiner ganzen schillernden, leuchtenden und manchmal auch finsteren Pracht. Räume machen mir die Psalmen und die Geschichten von Jesus auf, Räume, wo ich „angerufen“ werde. Und vielleicht rufe ich dann nicht jedes Mal laut: „Marge, das Telefon klingelt!“

Nimm einfach mal ab! Such Dir eine Geschichte von Jesus oder einen Psalm. Betrete diesen Raum, der sich Dir darin auftut. Nimm ab und nimm Teil am Spiel Deines Lebens, wie der ewige lebendige Gott es sieht.

Jürgen Schwarz, Landesmännerpfarrer

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Ein Kommentar zu “Marge, das Telefon klingelt“

  1. Ralph 21. Juli 2018 um 11:21 #

    Immer wieder spannend, wie nah am Leben die alten Schriften sind. Es waren eben auch nur Menschen, über die dort geschrieben ist.

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