Na, was jetzt?

Diese Woche las ich eine Notiz in epd (Evang. Pressedienst) zu Äußerungen von Politikern in der Zeit-Beilage: „Christ & Welt“.

Markus Söder: … die Kirchen sollen sich mehr auf den Glauben konzentrieren und weniger Politik machen …
Horst Seehofer: … will, dass sich Kirchen und Religionsgemeinschaften in die Politik einmischen …
De Maizière:  … sollte sich die Kirche mit eigenen … Beiträgen in die politische und gesellschaftliche Diskussion einmischen …
Ex-Bundespräsident Christian Wulff: … wünscht sich eine lautere und mutigere Positionierung der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Deutschland …
Hermann Gröhe: … der pluralistischen Gesellschaft … tue eine christlich inspirierte … Gewissensschärfung gut … ohne die eigene christliche Überzeugung für die einzig christliche zu  halten.
Na, was jetzt? Zumindest nach der Menge gehen die Punkte klar dahingehend, dass das Einmischen von Kirche und Christen in die Politik von den Politikern gewünscht und angemahnt ist. Politiker anderer Parteien haben sich wohl in Christ und Welt nicht geäußert – oder wurden nicht gefragt, ich weiß es nicht.

Was heißt dies für uns Männer? Für uns – weniger oder mehr – christlich orientierte Männer jeden Alters, die wir ja in großer Zahl vorhanden sind?
Wer Amerika regiert, ist außerhalb unseres Einflussbereiches, ebenso wer in Russland, Weißrussland, Frankreich oder England die „Zügel“ in der Hand hält. Was „die Kirche“ durch den Landesbischof, oder den EKD-Bischof politisch äußert, liegt ebenso nicht in unserer Macht, was manchmal schade ist.
In unserem Einflussbereich liegen aber Bürgermeister, Kreistag-  und Landtagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete, die Bürgermeinungen nicht kalt lassen, auch wenn wir nicht gleich damit rechnen können, dass unser Anliegen 1 : 1 von diesen umgesetzt wird. Ebenso natürlich Kirchen- Gemeinderäte, Bürgerversammlungen etc. Mischen wir uns als Christen politisch nicht ein, überlassen wir dieses Feld den anderen, gehen von uns keine Impulse dahingehend aus, dann gibt es eben nur die anderen Positionen. Den leeren, meinungsfreien Raum gibt es nicht. Irgendeine Meinung ist immer da, nach der sich politisch gerichtet wird.
Also was jetzt? Klar: Markus Söders Meinung nicht folgen, sondern den anderen. Dazu braucht es aber beides: Eine eigene politisch, ethische Meinung und den selbst geäußerten Glauben als Christ. Bei Kirche als „unsere Organisationsform“ ist letzteres im Titel und im Sein impliziert. Wo Kirche drauf steht, wird christlich unterstellt. Wo S. B., T.H., W.K., B.W. oder sonst ein Name draufsteht, nicht sofort automatisch. Wir müssen uns dazu erst „outen“, damit der christliche Geist der Nächstenliebe und des Miteinanders in unserer Meinung auch eindeutig erkennbar wird.
C. Wulff hat noch hinzu gefügt: … Mehr Kirche, mehr Christen, das geht zulasten von niemanden, wäre aber zum Nutzen aller … Schöne Worte! Hätte man damals nur die Kreuze in den öffentlichen Gebäuden hängen lassen und sie nicht gerichtlich verbannt. Sie waren und sind eine Art lautloses Einmischen des Christlichen in den Alltag unserer Gesellschaft, auch wenn der Auferstandene (statt des Gekreuzigten) als Symbol dafür eigentlich besser geeignet wäre.

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Ein Kommentar zu Na, was jetzt?

  1. Ulrich Thierhoff 3. Dezember 2016 um 17:12 #

    „Na, was jetzt?“ Wenn manche Politiker (andere aber nicht) sich ein Hirtenwort wünschen, so liegt das daran, dass sie sich davon Auftrieb für die eigene Politik versprechen.
    Aber, GG Art. 20,2, sagt: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. Das Volk hat sich um das öffentliche Wohl zu kümmern, nicht nur „Die da oben“. Wir Christen (jeder einzelne!) sind ein Teil des Volkes. Wir sind gefordert, uns in wichtigen Fragen zu engagieren und an Diskussionen über den richtigen Weg teilzunehmen. Bei Wahlen und Abstimmungen müssen wir uns beteiligen und unsere Entscheidungen vor Gott und dem eigenen Gewissen vertreten können. Das kann und darf uns kein Kirchenführer abnehmen!
    Ob Pfarrer, Bischöfe, der Papst und andere im Namen ihrer Schäfchen in allen Politikfeldern ihre Stellungnahmen abgeben sollten, bleibt eine offene Frage.
    Gerade wenn sie zu wenig Sachkenntnis haben oder wenn es um die Macht der Kirche geht (z.B. bei Ladenöffnungszeiten), wünschte ich mir, dass sie öfter mal den Mund halten würden. An anderer, wichtiger Stelle schweigen unsere evang. Bischöfe auffällig konsequent (z.B. zum Thema Abtreibungen).
    Also, Einmischen: Ja! Aber wir Männer selbst (Frauen natürlich auch). Gott hat uns eine eigene Stimme, eigenen Verstand, eigenen Glauben und damit eigene Verantwortung gegeben.
    Übrigens: Ein Kreuz an einer Wand, einer Halskette, oder wo auch immer, bringt gar nichts! Eher ist es ein Feigenblatt für mangelndes Engagement!
    Herzliche Grüße Ulrich

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