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Ohne Worte

Sitze in der Straßenbahn und denke relativ lustlos vor mich hin. Überlege, was ich so vor habe und wo ich aussteigen sollte. Die Bahn stoppt. Vermutlich eine rote Ampel, oder zu viel Verkehr. Ich schaue durchs Fenster, über den Gehweg direkt in das Schaufenster eines Koffergeschäftes. Hei, den kenne ich doch. Ein Mann im Geschäft lässt sich zu einem Koffer beraten. Genau in diesem Moment schaut auch er in meine Richtung. Wir sehen uns über die Entfernung an, winken uns dann zu. Wir haben uns erkannt und ich spüre, wie meine Gesichtszüge freundlich und freudig werden. Eine Geste aus dem Schaufenster mit Daumen und kleinem Finger – ja, wir telefonieren uns zusammen, nicke ich wortlos und erwidere die Geste. Wir verabreden uns auf einen Kaffee, na klar doch, auch diese Handbewegung ist eindeutig. Toll. Die Bahn ruckelt, gleich geht es weiter. Wir winken uns nochmals zu und weiter geht meine Fahrt. Jetzt fühlt sich mein Tag auf einmal ganz anders an. Das hat mir gut getan. Ich bin gesehen worden, bin erkannt worden und wahrgenommen worden! Und wir konnten uns gut und deutlich verständigen. Denke noch ein wenig über diese angenehme Begegnung nach. Gesehen werden, Aufmerksamkeit bekommen, das sind urmenschliche Grundbedürfnisse! Wir brauchen das, das tut uns gut. Nicht nur als Kinder, sondern auch als Erwachsene, als Männer.

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