13 Männer pilgerten "vor der Haustür" auf dem Martinusweg  von Besigheim auf den Michaelsberg bei Cleebronn

Pilgern „vor der Haustür“

Es muss nicht immer der Jakobsweg sein – und der Endpunkt nicht unbedingt Santiago de Compostela. Es darf auch auf der „Via Sancti Martini“ gepilgert werden – und die Michaelsberg-Kapelle im Stromberg kann ebenfalls ein lohnenswertes Ziel sein! Das sagten sich 13 Männer aus der Region Stuttgart-Heilbronn und trafen sich Mitte Mai zu einem „Pilgertag vor der Haustür“ in Besigheim. 2005 erst hatte der Europarat den Martinusweg („Via Sancti Martini“), der die Geburtstadt des Hl. Martin, Szombathely in Ungarn, mit seiner Grablege in Tours in Frankreich verbindet, in die Liste der Kulturwege aufgenommen. Martinuswege gibt es seitdem nahezu in ganz Europa und daher auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Und ein landschaftlich sehr schöner Abschnitt verläuft von der Neckar-Enz-Stadt aus (immer parallel zum HW10) auf den geschichtsträchtigen Michaelsberg bei Cleebronn, den schon die Kelten, Römer und Alemannen besiedelten. Begleitet wurden die Männer von drei orts- und wegekundigen Mitgliedern der St. Martinus-Gemeinschaft Rottenburg-Stuttgart e. V..

Unterwegs erfuhr man Einiges über die Biografie des Heiligen, der von 316/17 bis 397 lebte und später der asketische Bischof von Tours wurde. Denn die berühmte Mantelteilung ist nicht der einzige interessante Aspekt dieses Mannes. Er war auch ein ganz früher „Wehrdienstverweigerer“, der lieber „miles Christi“ (Soldat Christi) sein wollte, als „miles Caesaris“ (Soldat Cesärs). Und ähnlich, wie Franziskus fast 1.000 Jahre später in Assisi, musste auch Martin sich entschieden von den Erwartungen des Elternhauses abgrenzen, um ein Leben führen zu können, wie es ihm stimmig und Gott gefällig erschien. So hatten die 13 „Pilgerbrüder“ auf dem Weg anregende Gesprächsthemen: Wie halte ich es mit dem Kriegsdienst? Wie ging es in meinem Leben mit der Abnabelung von Mutter und Vater? Und wie lebe ich inmitten dieser heutigen Konsumwelt?

Nach gut drei Stunden durch Weinberge und Wald erreichten die Pilgerwanderer den Michaelsberg, bei traumhaft schönem Wetter und herrlicher Sicht über das Neckartal bis nach Heilbronn. Die Stille und Kühle in der Michaelsberg-Kapelle (dem Erzengel Michael geweiht) tat gut – und die baulichen Zeugnisse aus Romanik, Gotik, Renaissance und Barock in diesem 394 Meter hohen „Wächter des Zabergäus“ luden zum Verweilen und genauer Hinschauen ein. Auch ein schattiges Vesperplätzle beim Katholischen Jugendbildungshaus wurde zur Stärkung dankbar angenommen.

Während der Martinusweg seinen weiteren Verlauf Richtung Heilbronn nimmt, zogen die 13 Männer auf üblichen Wanderwegen am Freizeitpark Tripstrill vorbei über Bönnigheim, Erligheim, Walheim zurück an den Ausgangspunkt Besigheim. Unterwegs gab es mit dem „Nachruf“ von Ilse Aichinger („Gib mir den Mantel, Martin … gib mir den ganzen.“) noch einen kritischen Blick auf den Heiligen und das Teilen, welches manchmal auch „vom hohen Ross herab“ geschehen kann und dann nicht von ganzem Herzen kommt. Am „schönsten Weinblick Württembergs“, hoch über Besigheim schließlich rundete die „Männergruppe auf Zeit“ den Tag mit einer Meditation und einem Reisegen ab. Nach rund 24 Kilometern Strecke, erschöpft, aber glücklich, zufrieden und mit mancher Anregung für die nächsten Tage versehen, nahmen die Pilgerbrüder am Bahnhof Besigheim Abschied von einander. Der ausgehändigte Pilgerausweis mit dem ersen Stempel ermutigt, in nächster Zeit weitere Abschnitte der „Via Sancti Martini“ zu erkunden.

Weitere Informationen dazu: www.martinuswege.de

 

Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?

  • Sehr gut (0)
  • Gut (0)
  • Geht so (0)
  • Gar nicht (0)

Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar