Plötzlich und überraschend

In den letzten 3 Wochen starben drei mir bekannte Männer aus dem Familien-bzw. Bekanntenkreis zwischen 67 und 74 Jahren – plötzlich und überraschend. Bei allen dreien habe ich wirklich nicht damit gerechnet, bis die Todesnachricht bei mir im Briefkasten lag. Mein eigener Vater starb vor vielen Jahren auch mit 74 Jahren, eigentlich zu früh und ebenfalls völlig überraschend beim Skifahren in Südtirol.
Was ist/war das Überraschende für mich daran? Zu allen 3 Männern (wie zu meinem Vater damals auch) hatte ich vor kurzem noch persönlichen Kontakt durch Mail, Telefonate, bei einer Sitzung etc. Alle waren gesund, so dass ihr Äußeres und ihre Vitalität eine andere Sprache sprachen und nichts auf einen kurz bevorstehenden Tod schließen ließ. Warum schreibe ich dies hier unter SegenWort? Bisher klingt dies alles nicht so, eher nur nach Tragik.
Ein Vergleich drängt sich in mir auf: Jetzt, wo es so langsam wieder Frühling wird und die Natur „erwacht“, die braunen Wiesen langsam grün werden und die Bäume Blätter bekommen werden – mit meinen Erlebnissen der letzten Wochen – fällt mir der Unterschied zwischen menschlichem (und tierischen) Leben und der vegetarischen Natur besonders auf. Menschliches und tierisches Leben läuft offensichtlicher auf einer gerichteten Zeitstrecke ab, die durch Geburt und Tod begrenzt ist. Darin ähnelt es nicht dem Rhythmus der Natur, der uns sonst so vertraut ist durch die Jahreszeiten und der sich bald wieder von seiner schönste Seite zeigen wird, im Frühjahr. Dieser natürliche Rhythmus wiederholt sich stets aufs Neue. Er verläuft zyklisch im Kreis und kehrt immer wieder zurück. Natürlich nur als „Täuschung“, denn das einmal abgefallene Blatt kehrt nicht wieder an seinen Baum im Frühjahr zurück, es ist ein anderes Blatt das grün wird. Trotzdem ist mein (getäuschtes) Empfinden im Blick auf mein eigenes Leben ein anderes.
Bei meinem menschlichen Leben habe ich viel mehr das Gefühl, dass nichts mehr zurück kehrt was wir einmal durchlebt haben, und auch wir selber kehren nicht mehr zurück wenn der „Schlusspunkt“ erreicht ist. Wir gehen sozusagen durch einen „langen Korridor mit vielen Türen, die alle an der Rückseite keine Klinke haben“ (Zitat: Helmut Thielicke). Durchgegangen ist durchgegangen, es ist nichts mehr rückgängig zu machen, es kehrt nicht mehr in gleicher Weise wieder. Und plötzlich ist es die letzte Türe, plötzlich und unerwartet, für die Betroffenen selber und die Außenstehenden auch. Kein zurück. Keine Chance auf Wiedererwachen wie bei der Natur nach der Winterzeit. Oder doch?
Hier kommt für mich Jesus Christus ins Spiel. Denn er ist der Todesüberwinder, der uns – auch bei plötzlich und unerwartet – über die Todesgrenze hinüberhilft und ewiges Leben in Gottes Nähe eröffnet. Und dies aus Gnade und Barmherzigkeit. Welch ein Trost dem der dies glaubt, trotz plötzlich und überraschend.

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Ein Kommentar zu Plötzlich und überraschend

  1. A, Schuchert 6. März 2017 um 17:43 #

    Lieber Stephan,
    danke dir für die mich berührenden Worte. Habe mich vor meiner Operation sehr mit den Themen Tod und Abschied auseinander gesetzt und hatte dabei einen riesengroßen Rückhalt in der Männergruppe! Allen Männern sei Dank und Segen dafür!

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