Ruhestand – und keinen Plan?

Je näher mein Ruhestand heranrückt und je öfter ich mit anderen darüber spreche, je öfter höre ich die Frage: „Und, hast Du schon einen Plan?“

Die Tage bis zur Rente sind gezählt. Doch gibt es einen Plan für die Zeit danach? Und muss es ihn gleich geben?

Die Tage bis zur Rente sind gezählt. Doch gibt es einen Plan für die Zeit danach? Und muss es ihn gleich geben?

Das ist wirklich lieb und anteilnehmend gemeint, doch jedesmal zucke ich bei der Frage innerlich zusammen und zögere mit einer Antwort. Denn mein Plan heißt: Erst mal keinen Plan zu haben! Aber kann ich das so frei heraus sagen? Ich werde den Eindruck nicht los, dass meine Haltung nicht besonders gesellschaftsfähig ist. Ein angehender Rentner muss sich doch frühzeitig um seine Zukunft kümmern, um ein Ehrenamt, ein Hobby, um Freunde – sonst fällt er in ein Loch! So höre und lese ich es häufig. Und da will ich mir nun gestatten, erstmal gar nicht viel zu tun und das Leben einfach zu genießen? Das widerspricht offenbar dem Bild vom aktiven Silverager, der nach dem Arbeitsleben erst so richtig in Fahrt kommt.

Dann denke ich mir aber: Du hast 45 durchgetaktete Berufsjahre hinter dir und spürst sie in allen Knochen. Du hast mit deiner Frau drei Kinder großgezogen und warst lange Zeit ehrenamtlich engagiert. Darf ich mir da nicht erlauben, erstmal „alle Viere von mir zu strecken“ und nur den Wunsch zu haben, innerlich und äußerlich zur Ruhe zu kommen, nichts mehr zu müssen? Doch, ich darf mir das gestatten!

Freilich ist mir klar, dass langes Ausschlafen, gemütliches Frühstücken, Zeitung lesen bis um 11 – und auch noch sämtliche Kreuzworträtsel lösen – auf Dauer keinen befriedigenden Lebensabend ergeben. Aber bitte schön: Vorerst keinen Plan zu haben, sollte doch ohne schlechtes Gewissen möglich sein dürfen. Um mich dann, nach einer gesunden, angemessenen Phase der Regeneration, neu anregen zu lassen, von dem, was auf mich zukommt. Und dabei gut für mich zu sorgen, ohne ganz egoistisch auf der faulen Haut zu liegen. Ich möchte die kommende Phase der Ruhe gerne nutzen, um auch wieder in mich hineinzulauschen: Wer bin ich eigentlich, wenn ganz viel, von dem, was mein Leben bislang ausgemacht hat, weg fällt? Vielleicht kann ich es dann sogar geschehen lassen, neu gefüllt zu werden von dem, was Gott an Möglichkeiten und Aufgaben für mich noch so bereit hält. Ist das nun ein Plan?

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3 Kommentare zu Ruhestand – und keinen Plan?

  1. Dr. Ingo Sperl 16. März 2016 um 9:17 #

    Finde ich voll okay – ich mache es seit einem halben Jahr so…..

    Ingo Sperl

  2. Rolf Maybaum 28. März 2016 um 10:30 #

    Seit fast zwei Jahren übe ich es, keinen strikten Plan zu haben! Nachdem 40 Jahre Berufstätigkeit von fremdbestimmmten Notwendigkeiten geprägt waren, erlaube ich mir Muße, manchmal sogar Langeweile. Zeit, die sich füllt mit Dingen,die mir wichtig sind oder werden.Endlich mal hineinhören in mich. Kinder und Enkelkinder holen mich zwischendurch wieder in die Welt der Notwendigkeiten, die ich jetzt sogar genießen kann. Mal sehen, was mir noch alles in den Sinn kommt oder wer mich noch anregt. (www.im-übergang.de)

  3. Sieghart Seith 3. April 2016 um 11:01 #

    Danke, lieber Hans Kahlau. Du sprichst mir aus der Seele. Vielleicht mache ich das (in ein paar Jahren) auch so …

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