03_12_2018_Stau_Foto_1

Schau, schau…

Weit ist es nicht. Nur schlappe zwanzig Kilometer bis zu meinem Ziel. Es geht gut voran. Denke so vor mich hin. Auf die Autobahnauffahrt abbiegen, der Verkehr fließt. So in etwa zehn Minuten habe ich mein Ziel erreicht. Drei Spuren, da kommt jeder gut voran. Dann plötzlich, rote Bremslichter vor mir, und auch auf den anderen Spuren. Ich kann noch nicht richtig sehen was los ist, da es den Berg hoch geht. Fakt ist, dass wie aus heiterem Himmel, alle Autos stehen. Jetzt durchatmen. Das wird schon, denke ich. Sind doch nur noch fünfzehn Kilometer. Doch im Moment geht gar nichts mehr!

Da stehen wir nun. Stoßstange vorne an Stoßstange hinten. Die PS Zahl unter der Haube spielt jetzt keine entscheidende Rolle mehr. Ob ich auf Leder oder Stoff sitze scheint jetzt auch irgendwie egal. Versuche ich mich mit solchen Gedanken zu beruhigen? Zeitplan ade. Vielleicht geht ja doch noch was nach der nächsten Kurve? Fühle mich momentan so ganz ohne echte Chance auf Weiterfahrt. Eher unfreiwillig ausgebremst, abgewürgt, gestoppt. Das nervt mich irgendwie. Atme bewusst ein und aus und schalte das Radio ein. Hätte ich auch früher machen können. Dumm gelaufen. Manchmal geht es ein halbe Autolänge voran. Nach einer gefühlten Ewigkeit sehe ich auf dem Standstreifen eine Brummi stehen. Das ist das Problem und die üblichen Gaffer dazu, mutmaße ich. Wenn ich da vorbei bin läuft´s sicher wieder. Passiere die Stelle, habe etwas mehr im Blick, aber Pustekuchen. Nichts los, sonder weiterhin voller, satter Stau so weit ich sehen kann. Das Radio meldet inzwischen, dass auf über zwanzig Kilometer alles schon seit Stunden steht. Auch die Nebenstraßen sind total überlastet. Also wäre rausfahren auch keine Lösung gewesen. Bleibt also nur Geduld.

Schaue aus dem Fenster und sehe, wie einige weiße Wolken den ganzen Stau überholen. Ja, Wolke sein, das wäre was, oder? Ich wollte doch nur ein kleines Stück fahren. Von A nach B. Zwei lächerliche Ausfahrten. Und so werden aus den ursprünglich gedachten zehn Minuten am Ende fünfzig Minuten. Zum Glück habe ich keinen festen Termin. Da spielt die Zeit nicht die entscheidende Rolle. Durchatmen. Mein Respekt gegenüber allen morgen- und abendlichen Pendlern ist in diesem Moment enorm! Wenn so der Arbeitstag anfängt.

Vielleicht tut es mir gut, manchmal das „Gas“ weg zu nehmen. Auf die Bremse zu treten. Ganz bewusst und freiwillig. Gerade jetzt, wenn sich die Adventszeit so schnell nähert und so viel in meinem Kopf ist. Mein Leben habe ich viel weniger in der Hand als ich das oft denke. Warten als ganz bewusste und aktive Zeit zu erleben. Nicht erst dann, wenn irgendwelche Ereignisse mich stoppen.

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