Schneller (besser) leben?

Neulich habe ich einen Vortrag von Prof. Harald Lesch gehört, der mich nachdenklich gemacht hat. Ich zitiere sinngemäß:
„Die Menschheit hat sich die Lichtgeschwindigkeit (ca. 106.000 km pro Sekunde) untertan gemacht. Das Licht, die größte Kraft der Natur, das in ca. 8 Minuten von der Sonne zu uns auf die Erde kommt und dabei die unvorstellbare Distanz von ca. 149.600.000 km überwindet, haben wir in unseren Alltag geholt (gezwungen). Smartphones arbeiten annähernd mit Lichtgeschwindigkeit, Broker im Computerhandel (Flash trading) auch. Oder anders ausgedrückt: Die nutzbare Übertragungsgeschwindigkeit liegt bei ca. 19 Terabit/s. Damit könnte man ca. 540 DVDs à 4,4 GByte in einer Sekunde übertragen…“
Und keinem von uns wird dabei Angst und Bange, keiner kennt diese Größe wirklich und was sie bedeutet, wenn er am Straßenrand, zu Hause, in der Bahn, seine farbige Glasscheibe bedient, mit welcher Kraft er hier umgeht. Es wird schon klappen. Irgendwer hat dies alles im Griff.
Immer schon zog es gravierende ökonische, ökologische, soziale und ethische Folgen nach sich, wenn durch menschliche Erfindungen das Dasein verändert/verbessert und/oder beschleunigt wurde. Viel Positives hat die Menschheit für das tägliche Leben dadurch erfahren, keine Frage. Manchmal aber auch mit evtl. negativen Spätzeitfolgen, die sich erst 100 Jahre später bemerkbar machen. Vielleicht wäre es aus heutiger ökoloischer Sicht z. B. sinnvoller gewesen, den Verbrennungsmotor nie zu erfinden? Was wäre der Menschheit dadurch nicht alles erspart geblieben, auch an kriegerischen Massenvernichtungen in der Vergangenheit und der Zukunft und der ökologischen Spätfolgen weltweit? Oder wenn das Plastik nie erfunden worden wäre, das momentan politisch so in den Fokus gerückt ist? Gedankenspiele, vielleicht unnötig, ich weiß. Denn es gilt der Satz aus Friedrich Dürrenmatts Komödie Die Physiker: „Ein Gedanke, der einmal gedacht worden ist, kann nie mehr zurück genommen werden.“

Immer schneller und damit immer besser leben? Ich bin kein moderner „Entschleuniger“wie es hier und dort propagiert wird. Eine eigene Einstellungsänderung (auch auf breiter gesellschaftlicher Ebene) tut aber trotzdem Not und ich sehe sie nur darin, dass wir uns mental innerlich mehr rück-binden an die viel langsamer ablaufenden Kreisläufe der Natur (z. B. Jahreskreislauf) und diese mehr einbauen in unsere Welt- und Lebenssicht. Muss ich wirklich immer schneller leben, um mehr heraus zu holen aus der Zeit, die mir bleibt? Gebe ich dies als Vater auch so – verbal und nonverbal – an meine Kinder weiter?
Vielleicht gelingt es uns diese innere Rück-Bindung (re-ligio) besser, wenn wir Gott in Jesus Christus erkennen und ihn wieder mehr in den Blick nehmen, dessen Zeit und „Schnelligkeit“ nicht kurzatmig ist sondern währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Kirchentag in Dortmund, der diese Woche stattfindet, weißt mit seiner Losung in die gleiche Richtung: „Was für ein Vertrauen“. Es geht um Gottvertrauen. Darum, wie es zum Leben hilft. Wie es darüber hinaus Politik beeinflusst und gesellschaftliches Handeln. Ein Vertrauen, das im Extremfall auch ohne menschliche Rückversicherung auskommen muss und auskommen kann. Ein Vertrauen, das sich lohnt und man damit im Leben nicht  zu kurz kommt, egal wie lange dieses Leben dauern wird.

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3 Kommentare zu Schneller (besser) leben?

  1. Avatar
    Ulrich Thierhoff 17. Juni 2019 um 14:25 #

    Volle Zustimmung!

    (Obwohl die angegebenen Zahlenwerte falsch sind.)

    hG Ulrich Thierhoff

    • Andreas
      Andreas 23. Juli 2019 um 11:35 #

      Lieber Ulrich Thierhoff,

      mecker nicht, sondern liefere doch die „richtigen “ Zahlen.
      Das wär doch mal was, oder?

      Andreas

      • Avatar
        Ulrich Thierhoff 27. Juli 2019 um 13:30 #

        Lieber Andreas, dass die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum beinahe 300.000 km/s beträgt weiss beinahe jeder.
        Für die wesentlichen Aussagen in Stephans Beitrag ist diese Richtigstellung aber belanglos! Auch auf die Präzisierung der anderen Zahlen und Sachzusammenhänge verzichte ich: Dies ist kein Forum für Physik, Astronomie oder Informatik und meine schlauen Bemerkungen dazu wären für Stephans Ausführungen nicht von Bedeutung.
        Liebe Grüße Ulrich Thierhoff

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