Der Archetyp des "Kriegers" - wehrhaft, aber nicht gewalttätig.

Serie: Der „Krieger“ in dir darf leben

Folge 4 über männlichen Archetypen…

Man sagt dir nach, du seiest zielgerichtet, klar in deinen Botschaften und besitzt Durchsetzungskraft? Dann geht von dir bereits eine natürliche, positive, männliche Kraft aus, die auf andere Menschen sehr anziehend wirken kann und allen dienlich ist. Diese Energie des Archetypen „Krieger“ steht im allerbesten Wortsinn für ein „aggressives“, aber eben nicht gewalttätiges Handeln. Das Wort „Aggression“ kommt aus dem Lateinischen (Substantiv „aggressio“ / Verb „aggredior“) und bedeutet zunächst: „auf etwas zugehen, etwas in Angriff nehmen“. Das sind wunderbare, hilfreiche Eigenschaften für jede Gemeinschaft!

In jüngster Zeit erfuhr der Begriff Aggression allerdings eine negative Umdeutung: Bekommen wir zu hören: „Sei doch nicht so aggressiv!“, dann ist das stets vorwurfsvoll und abwertend gemeint und wird – zu unrecht – meist automatisch mit gewalttätigem Handeln gleichgesetzt. Mit der unhinterfragten Übernahme dieser Umdeutung aber laufen wir Männer Gefahr, dass wir uns von einer Kraft abschneiden lassen, die ganz einfach zu uns gehört, die wichtig ist für das Leben: Von der positiven Energie des Kriegers. Auch der Begriff „Krieger“ wird heute ja leider schnell negativ interpretiert. Obwohl ein Krieger ebenso als wehrhafter Held und Ritter auftreten kann, der mutig die Grenzen (z. B. des Landes) verteidigt und damit Andere, Schwächere vor Übergriffen schützt.

Doch es gibt tatsächlich dunkle Seiten des Archetypen „Krieger“, seine Schattenseiten. Und es ist wichtig, diese bei sich selbst zu erforschen: Wird nämlich die aggressive Energie fehlgeleitet, dann mutiert sie tatsächlich zur rohen Gewalt. Aus dem kraftvollen Krieger, dem Kämpfer für das Gute, wird dann ein Sadist, ein Killer, ein wirklich Gewalttätiger, der seine Kraft und Stärke missbraucht, der seine Aggression an Schwächeren auslässt, um sich selbst dabei großartig zu fühlen. Das ist aber nicht Stärke, sondern Schwäche. In manchen Fällen richtet sich diese fehlgeleitete „Krieger-Energie“ mit ihrer zerstörerische Kraft sogar gegen den Mann selbst: Indem er seinen Körper missachtet, ihm z. B. durch ungesunde Lebensführung und übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum Schaden zufügt oder sich (und andere mit) durch sein riskantes Tun in Gefahr bringt. Das nennt man Autoaggression.

Der wahre Krieger darf durchaus Schwächen haben und Schwäche zeigen. Wichtig aber ist, dass er diese kennt und an ihnen arbeitet. Er will und darf sich spüren in seiner männlichen Kraft, er wird aber seine Potenz richtig einschätzen und kann sein „Schwert“ kontrolliert führen. Er wird daher stets gewaltfrei handeln. Lassen wir uns also nicht irre machen: Wir dürfen zu unserer Kraft stehen, dürfen entschieden auftreten und energisch einschreiten, wo es nötig ist. Ja, wir dürfen den Krieger in uns leben lassen. Vorausgesetzt, wir sind uns auch der Gefahren, die im Schatten lauern, bewußt. Genau das unterscheidet den reifen Mann vom unreifen Mann.

 Tipp: Vom Autor gibt es in diesem Blog bereits eine Einführung in die männlichen Archetypen und Gedanken zu den Archetypen „König“ und „Liebhaber“ (siehe unten: „Alle Beiträge von Hans Kahlau“). Oder Schlagwort „Archetypen“ in die Suchmaske eingeben. Ein letzter Beitrag zu den Archetypen „Magier“ folgt in Kürze.

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