Sind Männer zu zähmen?

 

Am 23. März 2019 wurde in der Ostseezeitung ein Artikel über die gegenwärtige Rolle von Männern veröffentlicht. Ich zitiere: „Viele deutsche Männer haben kein klares Rollenbild mehr. Im Fußball werden sie im Erfolgsfall von den Medien bejubelt, aber im normalen Alltag überwiegt der kritische Selbst- oder Fremdblick. Dann werden sie als die „Herren der Erschöpfung“ tituliert und die Krise des modernen Mannes wird beschworen.“
Die überlieferte Männerrolle als Ernährer der Familie und Familienvorstand, als Mann mit „klarer Kante“, ist nicht mehr gefragt und soll durch eine „postmoderne“ Männerrolle ersetzt werden. Das neue postmoderne Männerbild sieht den Mann eher als achtsam, reflektiert und nachgiebig. Dies führt zu neuen Definitionen des Mannseins. Doch es bleibt die Frage: „Sind Männer zu zähmen?“

Dazu eine Geschichte: „Ein Einsiedler klagte oft, dass er so viel zu tun habe. Darüber wunderten sich die Leute und fragten ihn, was denn das eigentlich wäre. Er erklärte es. „Ich habe zwei Falken zu zähmen, zwei Sperber abzurichten, zwei Hasen aufzuhalten, eine Schlange zu behüten, einen Esel zu beladen, Esel zu satteln und einen Löwen zu bändigen.“„Nun ja“, sagten, die Leute, „das ist allerdings viel; da ist die Zeit ausgefüllt. Aber sag uns, wo ist denn dein ganzer Zoo? Wo sind denn all die Tiere von denen du redest? Wir sehen nichts davon.“
Da erzählte der Einsiedler auf eine Weise von den Tieren, dass sie ihn alle verstanden. Die zwei Falken sind unsere Augen, die sich auf alles stürzen und sich festkrallen wollen. Es ist oft schwierig sie zu zähmen. Und die zwei Sperber sind unserer Hände, die zupacken. Was sie haben, wollen sie nicht mehr loslassen. Dann die zwei Hasen, die wir aufzuhalten haben, sind unsere Füße. Sie machen uns unstet. Am schwierigsten ist die Schlange zu zähmen. Sie lauert hinter dem Gehege unserer Zähne: unsere Zunge. Einer hat einmal gesagt: „Zwei Zähne sind machtlos gegen eine Zunge.“ Nicht umsonst spricht man von „Doppelzüngigkeit“. Zu guter Letzt wird auch noch der Esel beladen: unser Körper. Manchmal ist der auch störrisch, wenn er Lasten tragen muss. Er wehrt sich und wird aggressiv. Nur der Löwe ist noch schwerer zu bändigen. Er ist schließlich der König der Tiere, so wie unser Herz die Machtzentrale in uns ist.

Die diesjährige Jahreslosung: „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34, 15) spricht Männer an, nicht zahm zu sein, sondern dem Frieden „nachzujagen“. Jagen ist eine männliche Eigenschaft. Sie spricht unser Machtzentrum, unser Herz an. Sollen wir uns hierbei zähmen lassen? Es kommt doch darauf an, dem wichtigen und richtigen Dingen im Leben nachzujagen. Und dafür darf man dann durchaus auch ungezähmt sein. Dafür darf sich – auch der neue Mann – engagiert und positiv einsetzen.

Armin Leibold, Bezirksmännerpfarrer im Dekanat Heidenheim

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Ein Kommentar zu Sind Männer zu zähmen?

  1. Avatar
    Ulrich Thierhoff 12. April 2019 um 12:45 #

    Es lohnt sich nicht, dazu was zu erwidern, da kaum Bezug zur Realität! u.th.

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